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Herzogenraths Wandel I:
Von der Grube zur Innovationsschmiede

409 Jahre: So lang ist es her, dass die Grube Laurweg in Kohlscheid erstmals urkundlich erwähnt ist. Im Jahr 1612 sah Galileo Galilei als erster Astronom den Planeten Neptun mit seinem Teleskop. Dass die zeitgleich neue Grube Laurweg perspektivisch ein international vernetzter Technologiepark werden würde, dachte da wohl keiner.

Jahrhunderte war die Steinkohle unter Tage für zahlreiche Menschen Broterwerb und Garantie für warme Winterabende. 1955 schließlich verließ das letzte Stück Kohle in Kohlscheid den Grubenverband Laurweg-Voccart-Gouley, Betriebsende war 1960.

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Das wiederum ist sechs Jahrzehnte her.

Die Älteren im Herzogenrather Stadtteil Kohlscheid erinnern sich sogar noch daran, wie es damals aussah an der heutigen Kaiserstraße. Die hohen Schornsteine, die dunklen Gebäude, die eine rote Ziegelsteinmauer von der Straße trennte. Heute steht an gleicher Stelle ein gleich in mehrfacher Weise offener Bau mit viel Glas und blauen Metallelementen. In den 1980ern ist er entstanden, wächst seitdem und ist einer der größten seiner Art in Deutschland: der Technologiepark Herzogenrath (TPH).

Einzelne Gebäudeteile der früheren Kohlewirtschaft stehen noch. In einem von ihnen sitzt einer der bekanntesten Unternehmen des TPH: das schwedische Telekommunikationsunternehmen Ericsson, das einen bedeutenden Eckpfeiler seiner internationalen Entwicklungsaktivitäten der eigenen Informations- und Kommunikationstechnologie im TPH eingerichtet hat.

In Herzogenrath haben die Fachleute jeden einzelnen Mobilfunkstandard seit 2G mitentwickelt.

Ein paar Schritte entfernt: Aixtron. Das Elektrotechnikunternehmen hat hier seinen Hauptsitz. Der DAX-gehandelte Hersteller von Verbindungshalbleitern und Nanomaterialien hat in seinem Produktportfolio auch eine Lösung, die den immensen Anforderungen des Micro-LED-Marktes gerecht wird.

Und Micro-LED gilt als eine der Schlüsseltechnologien für Displays von morgen, an deren Revolutionierung Aixtron mit den gehandelten Anlagen maßgeblich teilhat. Resultat: Das 1983 aus der RWTH heraus gegründete Unternehmen, das übrigens schon seit 2019 klimaneutral arbeitet, hat Ende Juli diesen Jahres ein Plus von 90 Prozent beim Auftragseingang verkündet.

Das wiederum ist sechs Jahrzehnte her. Das wiederum ist sechs Jahrzehnte her. Bild
„Das sind nur zwei große Erfolgsgeschichten von vielen hier, nach unserem Motto, starten - wachsen - investieren"
TPH-Geschäftsführer Michael Eßers
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„Das sind nur zwei große Erfolgsgeschichten von vielen hier“, macht TPH-Geschäftsführer Michael Eßers eine ausladende Bewegung durch das offene Innere des Gebäudes, das sich sogar mit dem Transporter ansteuern und durchqueren lässt. Auf 25.000 Quadratmetern Nutzfläche zuzüglich selbstinvestierter Gebäude verteilen sich 80 Unternehmen mit insgesamt rund 2.500 Mitarbeitenden.

Vom 20-Quadratmeter-Büro über Laborräume bis zu für Maschinen individuell angepassten Hallen ist alles enthalten. Und es könnte noch mehr sein, denn die Nachfrage ist enorm, die Auslastung bei aktuell 100 Prozent. „Wir brauchen mehr Platz“, sagt Eßers. Es ist keine Klage, sondern eine Ankündigung.

Nebenbei, nicht nur Menschen aus der Region tüfteln in Kohlscheid an zukunftsfitten Technologien. Im TPH I beispielsweise sitzen sie Tür an Tür mit Kollegen aus Fernost: Im Vorjahr ist das Koreanisch-Deutsche Center für Technologiekooperation (KGTCC) hier eingezogen – das erste und bisher einzige seiner Art in ganz Europa.

Zehn mittelständische koreanische Unternehmen entsenden wechselnde Mitarbeitende hierher, um mit deutschen Forschungsinstituten und Unternehmen zusammenzuarbeiten. Ziel neben Austausch und Wissensmanagement: in Zukunftsfelder investieren.

Und obwohl es über die vielen Firmen, die im TPH schon gewachsen und erfolgreich in „eigene vier Wände“ weitergezogen sind, und über die zahlreichen Innovationen, die aus dem blauen Stahlbau hervorgegangen sind, noch viele Geschichten zu erzählen gäbe, schließt sich hier bereits der 409 Jahre alte Kreis dieses Orts.

Zu Grubenzeiten wie heute arbeiten hier Menschen – heute übrigens mehr als damals -, zu allen Zeiten brachte und bringt der Ort etwas hervor, was vielen nutzt. Veränderung bedeutet also nicht Verschlechterung, sondern birgt viele Chancen. Der TPH hat sie erkannt und genutzt, als die Ära der Steinkohle zu Ende war, und den Ort in die Zukunft geführt.

Ein brillantes Beispiel aus dem Rheinischen Revier, wie Strukturwandel tatsächlich schon gelungen ist. Doch die Geschichte von Herzogenrath ist noch lange nicht zu Ende: Die ehedem von Bergbau geprägte Grenzstadt will künftig eine Pionierrolle im Bereich Energie einnehmen.

Wie das vonstatten gehen soll und was das für die Region bedeutet, wird Teil zwei unseres Blickes auf Herzogenrath verraten. Freuen Sie sich darauf! (pak)

Herzogenraths Wandel II: Hand in Hand zum Pionier der Energiewende

So ein Windrad, das macht doch Krach und verunstaltet die Aussicht: so die Meinung vieler Menschen. Aber stimmt das wirklich oder entpuppt der Realitätscheck das als unhaltbares Vorurteil? Der Herzogenrather Bürgermeister Dr. Benjamin Fadavian will, dass seine Bürgerschaft die Antwort darauf selbst findet – mit Erfahrungswerten.

Herzogenraths Wandel II: Hand in Hand zum Pionier der Energiewende Bild

Aber wie soll das gehen?

Jedem testweise ein Windrad in den Garten bauen und wieder abreißen, wenn es stört, geht natürlich nicht. „Aber wir können ein solches Szenario für mehrere Sinne erlebbar machen – mit einer Virtual-Reality-Brille, die wirklichkeitsnah zeigt, wie eine künftige Bebauung aus der jeweiligen Perspektive aussehen und wie sie sich anhören würde, wenn wie im Beispiel Windkraft eventuell auch Geräusche entstehen“, steigt er in das Thema Strukturwandel in Herzogenrath mal anders ein.

Nämlich mit Bürgerbeteiligung auf neuen Wegen: Statt formalisierten Delegationen stellt er sich eine möglichst breitflächige interaktive Teilhabe aller Interessierten quer durch die Altersgruppen vor. Sie sollen ausprobieren und ihre ehrliche Meinung beitragen, „damit Ratsbeschlüsse künftig die breite Rückendeckung der Bevölkerung haben, statt auf der Meinung von Politikern zu basieren“, wünscht er sich: „Keiner soll sich abgehängt fühlen.

Wir wollen uns harmonisch und organisch in Richtung Veränderung entwickeln, alle gemeinsam!“

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Bildhinweis: Herzogenrath
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Bildhinweis: Herzogenrath

Was keine Geräusche erzeugt und bereits steht, allerdings angenehm weit weg vom Blickfeld der breiten Öffentlichkeit: der größte Solarpark Nordrhein-Westfalens. Und der soll weiter wachsen. Auf dem Gelände der Nievelsteiner Sandwerke in Norden Herzogenraths, angrenzend an Eygelshoven auf niederländischer Seite, ist Platz für beides: Stromerzeugung aus Tageslicht und Abbau von Nutzsand.

Schon jetzt klingt das Resümee des Betreibers wie real gewordene Zukunftsmusik: „42.000 Solarmodule erzeugen eine Spitzenleistung von 10 Megawatt. Der Solarpark ist mit 80.000 Quadratmetern größer als 11 Fußballfelder und versorgt mehr als 3.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom“, schreibt EWV auf der Website.

Künftig könnten weitere Module etwa auf dem glitzernden See schwimmen, „was sie dann gleichzeitig kühlen wird“, beschreibt der Beigeordnete Franz-Josef Türck-Hövener einen Doppelnutzen. Und das ist nur eine von zig guten Ideen.

Das ist aber so ein kleines bisschen Kern des Problems des Herzogenrather Strukturwandels: Es sind mit der Zeit so viele gute Ideen und Akteure zusammengekommen, dass es jetzt gilt, den riesigen Berg Arbeit erst einmal in kleinere Hügel aufzuteilen. Und der erste, den Herzogenrath auf dem Weg zum Vorreiter in Sachen autarke Energieversorgung erklimmen will, heißt: Stabsstelle Strukturwandel.

„Wir brauchen hier Leute, die alle Fäden in der Hand halten, Dinge ordnen und vorantreiben“, erläutert Fadavian, warum dieses Teilprojekt im SofortprogrammPLUS, für das seit August ein Förderzugang identifiziert ist, die notwendige Basis darstellt. Dass die Formalien und das Warten auf die Förderung die Planungen erschweren, nimmt beiden nicht den Wind aus den Segeln.

Türck-Hövener und Fadavian haben eine klare Vision für Herzogenrath, das den Wandel vom Zechen- zum Technologiestandort ja schon geschafft hat und nun für ähnlich strukturierte Gemeinden bundes- und europaweit zum Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit werden will: „Wir wollen die erste mittelgroße Stadt sein, die bis 2030 in der Lage ist, sich selbst emissionsfrei mit Energie zu versorgen. Dazu trägt aber nicht nur das Vorhaben ‚Energiepark Herzogenrath‘ bei, sondern jeder einzelne Mensch, der in unseren Stadtgrenzen lebt und arbeitet.“

Und hier schließt sich der Kreis zur Bürgerschaft und warum Beteiligung aus der Sicht von Beigeordnetem und Bürgermeister unerlässlich ist.

„Wir wollen nicht den Strukturwandel an den Menschen vorbei, sondern mit den Menschen gemeinsam gestalten."
Fadavian

„Wir wollen nicht den Strukturwandel an den Menschen vorbei, sondern mit den Menschen gemeinsam gestalten. Wirklich umfassend kann das ohnehin nur gelingen, wenn jeder mitmacht. Jeder trägt bei, was er kann und will: Solarpanels auf dem eigenen Dach, geteilte Autos, regionale Produkte bevorzugen: Es gibt eine unendliche Vielfalt an Dingen, mit denen sich alle einbringen können. Und genau das wünschen wir uns. Denn es reicht nicht, irgendwo einen Solarpark hinzusetzen und perspektivisch wasserstoffbasierte Speicher zu integrieren.

Auch die kleinen Bausteine tragen zur Versorgungsstabilität und zur Nachhaltigkeit bei“, fasst Fadavian viele komplexe Ideen und Pläne noch einmal vereinfacht zusammen. Die Botschaft ist klar: Herzogenrath rockt das – und zwar Hand in Hand!/pak

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