Ein Gigawattpakt für das Rheinische Revier

Am 10. Oktober 2018 legte der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart der Kommission »Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung« (WSB), die die Bundesregierung zur Umsetzung des Ausstiegs aus der Braunkohle beraten hat, das Sofortprogramm »Das Rheinische Zukunftsrevier« vor. Ein zentrales Element dieses Programms ist der »Gigawattpakt für Erneuerbare Energien«.

„Um (...) den Transformationsprozess der Region mit einer glaubwürdigen Perspektive für ein neues Energiesystem zu hinterlegen, wird mit den Energieerzeugern des Rheinischen Reviers und den Gebietskörperschaften ein Gigawattpakt geschlossen. Ziel ist es, arbeitsteilig ein Gigawatt erneuerbare Energien bereitzustellen.“

Der im strukturpolitischen Ansatz aus Oktober 2018 beschriebene „Gigawattpakt für Erneuerbare Energien“ hat das Potenzial, einen wichtigen Beitrag im Energiesystem der Zukunft und damit zur Entwicklung des Rheinischen Reviers zu einer Modellregion für Energieversorgungs- und Ressourcensicherheit zu leisten.

Ein wichtiges Element der Energieversorgungsstrategie in NRW

Der Gigawattpakt wurde als Leitprojekt in den Abschlussbericht der WSB-Kommission aufgenommen und er ist auch ein fester Bestandteil des Wirtschafts- und Strukturprogramms (WSP) 1.0 für das Rheinische Zukunftsrevier. Der Gigawattpakt wird als sogenanntes »Starter-Projekt« dazu beitragen, dass die Energieleistung der Kraftwerke, die in den nächsten Jahren vom Netz genommen werden, zügig mit Energie aus erneuerbaren Quellen kompensiert wird.
Dieser Pakt passt auch gut zur Energieversorgungstrategie des Landes Nordrhein-Westfalen: Das Land hat sich vorgenommen, die vorhandene installierte Leistung aus Erneuerbaren Energien bis 2030 auf 10,5 Gigawatt Wind und 11,5 Gigawatt Photovoltaik zu verdoppeln. Das Rheinische Revier trägt durch den Gigawattpakt zur Erreichung dieses Ziels bei.

Projektpartner aus dem Rheinischen Revier gesucht

Das heutige, auf Versorgung durch den Braunkohleabbau ausgerichtete Energiesystem im Rheinischen Revier wird im Rahmen eines Transformationsprozesses in ein »Energiesystem von morgen« überführt. Um dieses Ziel zu erreichen, wird das gesamte Rheinische Revier ermuntert, beim Gigawattpakt mitzumachen – etwa mit Vorhaben in den Bereichen Solar oder Windkraft. Jeder, der ein nützliches Projekt zum Erreichen des Ziels beisteuern kann, ist willkommen: Dies können Energieversorger, Genossenschaften, Stadtwerke, Kreise oder Kommunen sein, aber auch die Bürgerinnen und Bürger des Rheinischen Reviers. Doch der Gigawattpakt kann nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Neue Projekte müssen erst Genehmigungsverfahren durchlaufen und es sind auch noch energiepolitische Fragen zu klären.

Die Öffentliche Hand schafft Förderanreize

Im Verlauf der Jahre 2021 bis etwa 2025 werden im Rahmen des Gigawattpakts nach und nach spezielle Förderprogramme durch die Zukunftsagentur Rheinisches Revier und das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW aufgelegt. Dadurch sollen Akteure in der Region Anreize für die Umsetzung der Energiewende erhalten, sodass möglichst viele Vorhaben im Revier realisiert und neue Wertschöpfungsketten erschlossen werden können. So werden bestehende Arbeitsplätze gesichert und neue Arbeitsplätze geschaffen.

Studie sieht großes Potenzial für Erneuerbare Energiegewinnung im Rheinischen Revier

Im Jahr 2018 wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) eine Studie zum Potenzial für Erneuerbare Energien in den deutschen Tagebauregionen erstellt. Sie kommt zu dem Schluss, dass allein bei der Freiflächenphotovoltaik (Solaranlagen) 1.369 MWp an Ausbaupotential im Rheinischen Revier bestehen. Dabei sind Flächen ausgeschlossen, in denen es Widerstände unter den Anwohnern gegen solche Anlagen geben könnte oder für die rechtliche Beschränkungen bestehen. Bei der Windkraft beträgt das Potenzial rund 1.182 MW. Allerdings sind bei der Windkraft noch nicht die freiwerdenden Flächen der Tagebaue berücksichtigt worden. Dadurch wird das Potenzial weiter steigen. Doch die künftige Nutzung dieser Flächen ist noch nicht geklärt. Um jedoch eine baldige Klärung herbeizuführen, arbeitet die Landesregierung derzeit an einer neuen Leitentscheidung zu den noch aktiven Tagebauen.

Neue Formen der Photovoltaik (PV)

Neue PV-Konzepte können neue Wertschöpfungsketten für das Revier zu erschließen. Sie sollen bei dem Gigawattpakt ebenso berücksichtig werden wie die schon bekannten Standardlösungen für die Aufstellung von Solarpanels in der Fläche.

Zu den neuen Formen der Photovoltaik zählen beispielsweise integrierte Solarmodule an Gebäuden (BIPV), Fassaden oder auch an Schallschutzwänden. Auch die Doppelnutzung von Flächen ist willkommen: Viele Parkplätze könnten mit Solar-Carports überbaut werden und eine E-Tankstelle kann gleich danebenstehen.

Die Agrophotovoltaik, bei denen Solarmodule auf einem Ständerwerk über einem Feld installiert werden, ist ebenfalls eine Option für die Zukunft. Sie hat den Vorteil, dass man gleich zweimal ernten kann, einmal Feldfrüchte und einmal Sonnenstrom.

Vorhandene Kies- und Tagebauseen könnten mit sogenannten Floating-PV-Anlagen einen Beitrag zur Versorgungsicherheit und zum Gigawattpakt leisten. Da viele dieser neuen Anlagenformen nicht vom Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abgedeckt werden, sind spezielle Förderprogramme nötig, die Anreize liefern, um diese Anlagenformen wirtschaftlich zu betreiben.

In NRW werden aktuell rund drei Prozent des nordrhein-westfälischen Stromverbrauchs aus Dachanlagen erzeugt. Das sind rund vier Terrawattstunden (Stand 2019). NRW hat rund elf Millionen Dächer. Wenn diese Dächer alle mit PV-Modulen ausgestattet wären, dann könnten, so sagt es das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW, rund 68 Terawattstunden Strom erzeugt werden. Ob das eigene Dach geeignet ist, kann man hier gleich überprüfen. 

Der Gigawattpakt soll dazu beitragen, dass möglichst viele Dächer mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Daher ist vorgesehen, diesen schlafenden Riesen durch konkrete Anreizprogramme zu wecken.

Agrar-PV-Pilotanlage, gebäudeintergierte Solaranlage, Solarmodule in einer Schallschutzwand, Floating Solaranlage in den Niederlanden (v.l.n.r.)

Windenergie

Die Windenergie soll ebenfalls im Rheinischen Revier noch stärker ausgebaut werden. Durch Informationsveranstaltungen bzw. Info-Material für Kommunen und die Öffentlichkeit will der Gigawattpakt dazu beitragen, die Information zu verbreiten, dass es sich bei der Abstandsregel (1.500 Meter) lediglich um einen nicht bindenden Grundsatz und um keine rechtlich bindende Regel handelt.

Weiterhin sollen im Rheinischen Revier Erleichterungen bei der Umsetzung von Repowering-Vorhaben auf Bestandsflächen bereits auf Regionalplanungsebene erfolgen.

Das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen wird ebenfalls an der Schaffung einer gesetzlichen Grundlage für eine angemessene Beteiligung der Kommunen an der Wertschöpfung bei Windenergieprojekten arbeiten. Geplant ist hierzu ein erster Gesetzentwurf, nicht nur für das Rheinische Revier, sondern für ganz NRW im Dezember 2020.

[Bildunterschriften für Windenergie-Fotos]

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