Luftaufnahme WICMG
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Wissens- und Innovationscampus: Ein Ort erfindet sich neu

23. April 2026

„Es geht um die besondere Symbolkraft dieses Ortes. Ein Gelände mit einer komplexen Geschichte in einen offenen, innovativen Zukunftsort zu verwandeln, hat eine enorme Kraft. Diese bewusste Neuschreibung der Geschichte empfinde ich als zutiefst sinnstiftend.“ 

Im Interview: Eva-Maria Heiß, Geschäftsführerin des Wissens- und Innovationscampus Mönchengladbach (WICMG) GmbH

Wenn Sie an den Wissens- und Innovationscampus denken – was ist für Sie persönlich die große Idee dahinter?  

Für mich ist der Wissens- und Innovationscampus weit mehr als ein Bauprojekt. Er ist ein Zukunftsversprechen. Die große Idee dahinter ist, einen Ort zu schaffen, an dem Wissen nicht nur vermittelt, sondern gelebt. 

Wir wollen einen Raum gestalten, in dem junge Menschen Perspektiven finden, Gründerinnen und Gründer neue Ideen entwickeln, Mut fassen und Forschung direkt in gesellschaftliche Wirkung übersetzt wird.  

Mönchengladbach steckt mitten im Wandel. Wie spüren Sie selbst, dass der Campus den Strukturwandel voranbringt? 

Strukturwandel wird oft in Zahlen gemessen – neue Arbeitsplätze, Investitionen, Projekte. Aber ich spüre ihn vor allem in Gesprächen. In der wachsenden Zuversicht von Partnern, in der Begeisterung junger Menschen, weil sie echte Chancen sehen. 

Der Campus schafft ein neues Selbstverständnis für die Stadt: weg vom reinen Industriestandort hin zu einem Wissens-, Innovations- und Gründungszentrum. Konkret bedeutet das: neue Bildungsangebote, neue Gründungen, neue Orte der Begegnung.  

Und es bedeutet auch, dass wir als Stadt selbstbewusster auftreten. Der Campus ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass wir den Wandel nicht nur akzeptieren, sondern aktiv gestalten. 

Sie möchten  auf dem Campus sehr unterschiedliche Bereiche zusammenbringen – Lernen, Forschen, Gründen, Stadtleben. Wie kann das gelingen? 

Das gelingt nur, wenn wir Begegnung bewusst gestalten. Wir brauchen offene Räume statt geschlossener Silos. Orte, an denen Ideen frei zirkulieren und Disziplinen sich ganz selbstverständlich begegnen. Forschung, die Verantwortung für die Zukunft der Region übernimmt. Veranstaltungen und Initiativen, die den Campus öffnen – sodass er nicht nur ein akademischer Raum ist, sondern ein lebendiger Teil des urbanen Lebens.  

Vor allem aber brauchen wir eine Kultur des Miteinanders. Wenn Lernen, Forschen, Gründen und Stadtleben sich gegenseitig inspirieren, entsteht ein kreatives Ökosystem.  

Große Projekte laufen selten ohne Stolpersteine. Welche Momente waren für Sie besonders herausfordernd? 

Herausfordernd sind vor allem die Momente, in denen Vision und Realität aufeinandertreffen: komplexe Abstimmungen, unterschiedliche Interessen, lange Prozesse und Entscheidungen, die Geduld verlangen. Strukturwandel ist kein Sprint, sondern ein Marathon – und manchmal braucht es einen langen Atem. 

Was mir hilft, ist der Blick auf das große Ganze - wofür wir das machen. Wenn ich daran denke, welche Perspektiven wir mit dem Campus für die nächste Generation schaffen können – auch für unsere Kinder –, dann bekommt die tägliche Arbeit eine sehr persönliche Dimension.  

Und schließlich ist es mein Team, das mich trägt.  Der gemeinsame Wille, etwas Nachhaltiges für diese Stadt zu schaffen, verbindet.   

Wenn Sie nach vorne schauen: Welche nächsten Schritte sind für Sie besonders wichtig? Die kommenden Schritte sind entscheidend: Jetzt treiben wir den Baustart mit aller Kraft voran und schaffen die sichtbare Grundlage für das, was hier entstehen soll. Gleichzeitig geht es darum, Nutzungen weiter zu konkretisieren und das Netzwerk aus Wissenschaft, Wirtschaft und Stadtgesellschaft noch enger zu knüpfen. Aus der Vision wird nun Schritt für Schritt Realität. Die Menschen  dürfen sich auf einen Ort freuen, der Identifikation stiftet. Einen Ort, auf den man stolz ist. Einen Ort, der zeigt: Hier entsteht Zukunft – gemeinsam. 

 

Der Wissens- und Innovationscampus

Auf dem Gelände des ehemaligen Polizeipräsidiums in Mönchengladbach entsteht ein Wissens- und Innovationscampus. Hier werden Bildung, Forschung, Transfer und gesellschaftlicher Austausch gebündelt, um Wissen zugänglich zu machen und neue Perspektiven für die Menschen in der Region zu eröffnen. 

Der Campus stärkt Mönchengladbach nachhaltig als Bildungs- und Innovationsstandort und macht wissenschaftliche sowie unternehmerische Impulse direkt vor Ort wirksam. Um dies zu ermöglichen wird das Areal umfassend energetisch modernisiert und konsequent auf erneuerbare Energien sowie klimafreundliche Mobilität ausgerichtet. 

Die Entwicklung des Campus wird maßgeblich durch Mittel von Bund und Land getragen. Insgesamt sind für das Projekt rund 85 Mio. Euro vorgesehen, die bauabschnittsweise beantragt und bewilligt werden. Für den ersten Bauabschnitt wurden Ende 2025 bereits rund 16 Mio. Euro bewilligt.

Weitere Informationen über das Projekt finden Sie hier:

Bewilligte Projekte - EWIC