Biogasanalage von oben
© Reinartz

Wärme aus der Biogasanlage – nah, nachhaltig, nachbarschaftlich

09. Oktober 2025

Aus Gülle, Mist und Pflanzen Strom und Wärme gewinnen: Landwirt Jochen Reinartz zeigt in Düren-Echtz, wie lokale Energiewende geht. Seine Biogasanlage könnte künftig auch Nachbarinnen und Nachbarn mit grüner Wärme versorgen – nachhaltig, bezahlbar und direkt vor Ort.

Mit seiner Biogasanlage könnte Landwirt Jochen Reinartz einen Teil von Düren-Echtz nachhaltig beheizen. Ein komplettes Fernwärmenetz ist allerdings nicht umsetzbar – aber für die direkte Nachbarschaft bleibt die Idee realistisch.

Im Wohnhaus von Jochen Reinartz ist es immer angenehm warm, besonders in den kälteren Monaten. Um die Energiekosten macht sich der Landwirt aus Düren-Echtz keine Gedanken. „Wir heizen mit der Abwärme der Biogasanlage“, erklärt Reinartz. Auch der Schweinestall wurde jahrelang auf diese Weise beheizt, bis die Schweinezucht eingestellt wurde. „Viel Wärme wird aktuell nicht genutzt und da kam mir der Gedanke, ob davon nicht auch die Echtzer Bürgerinnen und Bürger profitieren könnten“, so Reinartz. Gemeinsam mit den Dürener Stadtwerken entstand die Idee eines Fernwärmenetzes. 

Strom aus Gülle, Mist und pflanzlichen Materialien

Der landwirtschaftliche Betrieb von Jochen Reinartz mit 45 Hektar Ackerbau liegt am Dorfrand von Echtz. Seit 2011 betreibt der Landwirt dort auch eine Biogasanlage. Hier werden organische Reststoffe wie Rindergülle, Rinder- und Pferdemist in dem sogenannten Fermenter abgebaut. Auch nachwachsende Pflanzen wie Silomais oder Zuckerrüben werden durch Mikroorganismen zersetzt. In diesem Prozess entsteht Biogas, mit dem wiederum Strom erzeugt wird. Die dabei entstehende Abwärme nutzt Reinartz zum Heizen. 

Wärme aus der Biogasanlage könnte ganze Ortschaft heizen

Rund 2.000 Einwohnerinnen und Einwohner leben in Echtz. Mit der Wärme aus der Biogasanlage könnten örtliche Haushalte beheizt werden, dafür müsste die bestehende Biogasanlage zu einem Biomassespeicherkraftwerk aufgerüstet werden. Über ein Fernwärmenetz – obwohl es diesen Fall wohl eher Nahwärmenetz heißen müsste – könnte der größte Teil der Haushalte der Ortschaft angeschlossen und versorgt werden. „Die Idee hat uns überzeugt“, erklärt Stadtwerke-Vertriebsleiter Ingo Vosen. „Mit der Biogasanlage könnte ein großer Teil der Haushalte im Ort zu hundert Prozent erneuerbar, lokal und bezahlbar mit Wärme versorgt werden.“ Wie gut das funktionieren kann, wissen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer Stadtwerke aus Erfahrung: Aus einer Biogasanlage in Dormagen wird der gesamte Stadtteil Hackenbroich mit Fernwärme beliefert. 

Machbarkeitsstudie aufgrund großem Interesse durchgeführt

Im November 2023 wurde den Echtzerinnen und Echtzern die Idee eines örtlichen Fernwärmenetzes vorgestellt und aufgrund des großen Interesses eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Sie sollte die Investitionskosten aufzeigen und auch, wie viele Haushalte sich beteiligen müssten, damit sich ein Fernwärmenetz lohnt. Gefördert wurde die Studie aus dem Programm „Effiziente Wärmenetze“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Vorgestellt wurden die Ergebnisse dieser Machbarkeitsstudie bei einer Infoveranstaltung im Mai 2025. Doch das Ergebnis war ernüchternd: Das Interesse war groß, aber die notwendigen Erdarbeiten zur Verlegung eines flächendeckenden Wärmenetzes wären in vielen Bereichen des Ortsteils mit hohen und teils schwer kalkulierbaren Kosten verbunden. 

Kosten für gesamtes Wärmenetz unkalkulierbar

Der Grund: Es ist zu wenig Platz im Erdreich. Dort liegen bereits große Abwasserrohre für Niederschlags- und Brauchwasser sowie Rohre für die Wasserversorgung und diverse Strom- und Glasfaserkabel. „Diese Faktoren machen die Umsetzung der geplanten Wärmeversorgung kostspielig und kompliziert, wodurch das Projekt für uns und die Wärmekundinnen und -kunden unwirtschaftlich wird“, erläutert Kira Rescher, Leiterin für Energiewendeprodukte bei den Dürener Stadtwerken. „Die Entscheidung, die Planungen nach fast zwei Jahren intensiver Arbeit aufgrund der hohen Kosten und der unklaren Wärmepreise nicht weiter zu verfolgen, ist uns nicht leichtgefallen.“

Direkte Nachbarn könnten profitieren

Eine flächendeckende Umsetzung des Fernwärmenetzes in Echtz wird es also nicht geben. Doch die Studie hat auch festgestellt, dass sehr wohl angrenzende Haushalte der Biogasanlage von einer solchen Wärmelösung profitieren könnten. Zurzeit überlegt Reinartz, wie er gemeinsam mit seinen direkten Nachbarinnen und Nachbarn eine solche Lösung realisieren kann.

Biogasanlagen Bestandteil des Gigawattpakts

Biogasanlagen sind eine Möglichkeit aus regenerativen Materialien Strom und Wärme zu produzieren. Zudem kann die Energie bedarfsgerecht erzeugt werden. Damit spielen Biogasanlagen eine wichtige Rolle bei der Energiewende sowie der Reduzierung klimaschädlicher Emissionen und tragen zum Gelingen des Gigawattpakts bei. Das Bündnis von über 60 Landkreisen, Kommunen und Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien im Rheinischen Revier bis 2028 auf fünf Gigawatt voranzutreiben.

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