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© Tomas Rodriguez

Textilfabrik 7.0: Startschuss für nachhaltige Produktion in Mönchengladbach

20. März 2026

Mit der offiziellen Kick-off-Veranstaltung der Textilfabrik 7.0 (T7) ist im Monforts-Quartier in Mönchengladbach ein bedeutendes Transformationsprojekt für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie gestartet. Im Rahmen des „Thementisch Textil“, einem Veranstaltungsformat der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Forschung, Politik und regionaler Wirtschaft zusammen, um den Grundstein für eine CO₂-neutrale, zirkuläre und wirtschaftlich tragfähige Textilproduktion zu legen.

Die Textilfabrik 7.0 ist ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Partner aus Forschung und Industrie. Ziel ist es, innovative Technologien und Produktionsprozesse zu entwickeln und in die industrielle Anwendung zu überführen. Perspektivisch soll über das Projekt hinaus ein Industriepark entstehen, in dem unter Zero-Emission-Bedingungen produziert wird und der Raum für Unternehmen, Forschung und Start-ups bietet.

Herausforderungen der Branche und Lösungsansatz der T7

Die Textil- und Modeindustrie steht weltweit vor großen Herausforderungen: Rund zehn Prozent der globalen CO₂-Emissionen gehen auf ihr Konto, gleichzeitig herrscht ein hoher Wettbewerbsdruck für Unternehmen in Deutschland. Genau hier setzt die Textilfabrik 7.0 an, als Schnittstelle zwischen Forschung, Industrie und regionalen Akteuren.

Im Zentrum steht der sogenannte Reallabor-Ansatz. Neue Technologien und Prozesse werden entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette unter realen Bedingungen getestet und optimiert. Dazu zählen unter anderem Robotik, digitale Prozessketten und biotechnologische Verfahren, die helfen sollen, Ressourcen effizienter zu nutzen und Kreisläufe zu schließen.

Inhaltlich gliedert sich das Projekt in vier zentrale Module: On-Demand-Fertigung, MicroFactory Engineering, Digital Textiles und Biosphere. Sie bilden die Grundlage für die Entwicklung neuer, flexibler und nachhaltiger Produktionsformen und fungieren zugleich als Struktur für die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren.

Silke Krebs, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, betont: „Das Projekt T7 treibt die Transformation des Rheinischen Reviers zu einem modernen Industriestandort aktiv voran. Es verbindet innovative, nachhaltige Textilproduktion mit Forschung, Entwicklung und dem Einsatz von KI und Robotik. Gleichzeitig stärkt es die Wettbewerbsfähigkeit der Region und schafft neue Arbeitsplätze auf allen Qualifikationsebenen. So zeigt T7, dass der Strukturwandel konkrete Chancen für eine zukunftsfähige Industrie bietet.“

Auch Mönchengladbachs Oberbürgermeister Felix Heinrichs unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Wer an Textil denkt, kommt an Mönchengladbach nicht vorbei! Die Textilproduktion gehört industriegeschichtlich zur DNA unserer Stadt. Doch sie hat auch das Potential, eine Schlüsselrolle für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Mönchengladbach einzunehmen. Die Textilfabrik 7.0 bringt Industrie und Wissenschaft für Innovation und Forschung zusammen. Sie schafft so die Grundlage für eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Textilproduktion – und damit für zukunftsfeste Arbeitsplätze in Mönchengladbach. Der heutige Startschuss für das Projekt T7 markiert für Mönchengladbach einen großen Meilenstein im Strukturwandel.“

Auftaktveranstaltung: Austausch, Impulse und konkrete Anwendungsbeispiele

Der Kick-off richtete sich insbesondere an Unternehmen entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette. In mehreren Impulsvorträgen erhielten die Teilnehmenden Einblicke in aktuelle Entwicklungen und zukünftige Produktionsformen.

Praxisnahe Beispiele lieferten unter anderem die Brother Internationale Industriemaschinen GmbH sowie die Hch. Kettelhack GmbH & Co. KG. Sie zeigten, wie sich On-Demand-Produktion in Microfactory-Konzepte integrieren lässt und dadurch flexible, bedarfsgerechte Fertigungsprozesse möglich werden. 3E Smart Solutions stellte Ansätze für intelligente Produktionslösungen im Bereich smarter Textilien vor, während der Branchencluster Industrielle Biotechnologie e. V. (CLIB) aufzeigte, wie biotechnologische Verfahren, etwa durch den Einsatz von Mikroorganismen, künftig zur Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft beitragen können.

Ergänzt wurden die Vorträge durch vier Workshops, die sich an den Kernmodulen der Textilfabrik 7.0 orientierten. Hier diskutierten die Teilnehmenden gemeinsam mit den Modulverantwortlichen konkrete Anforderungen der Industrie an zukünftige Produktionslösungen. Ziel war es, Bedarfe zu identifizieren und direkt in die weitere Projektplanung einfließen zu lassen.

Professorin Dr. Susanne Meyer, Präsidentin der Hochschule Niederrhein, hebt die Rolle der angewandten Forschung hervor: „Die Textilfabrik 7.0 steht exemplarisch für das, was angewandte Forschung heute leisten muss: Sie bringt Wissenschaft, Industrie und Gesellschaft zusammen, um konkrete Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln. Als Hochschule Niederrhein bringen wir unsere textile Expertise gezielt in dieses Zukunftsprojekt ein, von digitalen Produktionsprozessen über nachhaltige Materialien bis hin zu zirkulären Wertschöpfungsmodellen. So leisten wir nicht nur einen Beitrag zur Transformation der Textilindustrie, sondern stärken zugleich die Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit der gesamten Region.“

Als eines von 19 Ankerprojekten im Rheinischen Revier leistet die Textilfabrik 7.0 einen wichtigen Beitrag zum Strukturwandel der Region. Das Projekt sorgt für die Entstehung neuer Perspektiven für industrielle Wertschöpfung und qualifizierte Arbeitsplätze.