Stadt Übach-Palenberg

„Nicht nur planen, sondern umsetzen“ – Klimaschutzmanager Robert Mittelstädt im Interview

17. März 2026

Die NRW-Landesregierung fördert die Einstellung von Klimaschutzmanagerinnen und -managern in den Kommunen. Robert Mittelstädt, Klimaschutzmanager der Stadt Übach-Palenberg, gibt Einblicke in seine Arbeit und erzählt, wie er das Leben in der Stadt weiter verbessern will. 

Herr Mittelstädt, seit 2022 sind Sie Klimaschutzmanager in Übach-Palenberg. Was ist Ihre Vorgeschichte?

Schon immer habe ich mich für Umweltthemen, Naturwissenschaften und Technik interessiert. Meine naturwissenschaftliche Ausbildung habe ich im Forschungszentrum Jülich gemacht. Im Studium zum Chemieingenieur entschied ich mich für den Schwerpunkt Prozess- und Umwelttechnologie. Anschließend war ich als Projektingenieur, unter anderem im Bereich Klimaanpassung, tätig. 

Warum haben Sie sich als Klimaschutzmanager beworben?

Ich befasse mich schon lange mit dem Klimaschutz und lebe das auch. Ich bewohne ein Holzhaus mit PV-Anlage, Batteriespeicher und Regenwassernutzung. Meistens fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit, selten mit dem Elektroauto.

Es war Zufall, dass ich die Stellenanzeige gelesen habe. Das Anforderungsprofil war für mich wie maßgeschneidert und ich wollte weg vom reinen Planer und Berater hin zu einer Stelle, bei der ich mehr umsetzen und bewegen kann. 

Und, ist das eingetreten?

Ja, mein Tätigkeitsbereich ist sehr vielfältig und praxisnah. Ich bin hier als Klimaschutzmanager direkt im Hoch- und Tiefbau angesiedelt. Das hat den Vorteil, dass die Umsetzung von Maßnahmen einfacher wird und ich Projekte auch selber bearbeiten kann. 

Was sind Ihre Aufgaben?

Vor allem die Initiierung, Begleitung und Umsetzung der 29 Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept. Das Konzept habe ich gemeinsam mit allen Akteuren in den ersten anderthalb Jahren meiner Tätigkeit erstellt. Es ist unser Umsetzungsfahrplan um bis 2040 die Treibhausgasneutralität zu erreichen. 

Während der Konzepterstellung habe ich mich parallel mit der Umsetzung erster Maßnahmen beschäftigt. Gerade, wenn neue Förderungen im Bereich Klimaschutz auftauchen, sollte man die Gelegenheit nutzen und versuchen, diese Maßnahmen zuerst umzusetzen. 

Haben Sie ein Beispiel?

Es gab im Jahr 2022 aus dem Programm progres.nrw eine Fördermöglichkeit für die Anschaffung von Elektroautos. Diese habe ich mit der sogenannten Billigkeitsrichtlinie kombiniert und damit zwei Elektrodienstwagen angeschafft. Der städtische Eigenanteil lag dank der Kombination damals nur bei wenigen Prozenten. Bis heute haben wir für die Stadt Fördermittel für Klimaschutzmaßnahmen in Höhe von circa 2,5 Millionen Euro akquiriert. 

Gibt es Herausforderungen, mit denen Sie nicht gerechnet haben? 

Bei meiner alten Firma waren die meisten Prozesse digitalisiert. Leider wird bei der Stadtverwaltung vieles noch in Papierform erledigt. Ich hoffe aber, dass wir bald vollständig digital arbeiten können. 

Was hat Sie positiv überrascht?

Da sind zum einen die sehr netten Kolleginnen und Kollegen aus allen Fachbereichen und insbesondere aus dem Hoch- und Tiefbau, die mich tatkräftig unterstützen. Außerdem bin ich von der Verwaltungsspitze und den politischen Rats- und Ausschussmitgliedern positiv überrascht, die dem Thema Klimaschutz aufgeschlossen gegenüberstehen und mir Rückendeckung geben.

Welche Rolle spielt das Thema Bürgerbeteiligung?

Eine sehr wichtige. Denn viele Klimaschutzmaßnahmen müssen durch die Bürgerinnen und Bürger selbst geleistet werden. Um zum Mitmachen anzuregen, veröffentlichen wir Klimaschutzthemen im Amtsblatt, auf der Internetseite der Stadt, in Presseberichten, Onlinebeteiligungen und demnächst auch in den sozialen Medien. 

Leider gibt es immer noch Mythen, Fehlinformationen und Verunsicherung zum Thema Klimaschutz in der Öffentlichkeit. Darum versuche ich mit einer Klimaschutzmesse den Bürgerinnen und Bürgern etwas „zum Anfassen“ zu bieten. In der heutigen Medienflut kann man die Menschen besser spielerisch erreichen, wie mit einem Klima-Quartett oder einem Hitzekochbuch mit Rezepten für heiße Tage.

Übach-Palenberg ist Mitglied im Gigawattpakt. Welche Entwicklung beobachten Sie beim Ausbau der Erneuerbaren Energien in Ihrer Stadt?

Das Förderprogramm Gigawattpakt ist genau das, was die Kommunen hier in der Kohleregion brauchen. Es hat uns einen ordentlichen Schub beim Ausbau der Erneuerbaren Energien gebracht. Die ersten vier PV-Anlagen sind errichtet, weitere PV-Anlagen folgen. Ohne die Förderung wäre dies finanziell nicht möglich gewesen. Die Förderung könnten wir in den nächsten Jahren auch für andere Maßnahmen zu Erneuerbaren Energien gut gebrauchen. 

Welche Projekte werden Sie in den nächsten Jahren beschäftigen?

Der Bau von PV-Anlagen mit Batteriespeichern ist bei uns ein Dauerbrenner. Dieses Jahr wollen wir die kommunale Wärmeplanung abschließen und damit eine verbindliche Perspektive für die Wärmeversorgung geben. Eine wichtige Maßnahme dazu ist die Erschließung von Wärmequellen. Hierfür benötigen wir weitere Studien zur Geothermie oder zur Fluss- und Abwasserwärme. Das Thema Elektrifizierung des kommunalen Fuhrparks sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur sind ebenso Topthemen. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? 

Ziel ist es, bis 2040 die Treibhausgasneutralität in Übach-Palenberg zu erreichen. Dafür müssen alle tatkräftig mitarbeiten, denn nur gemeinsam wird diese Zukunft Realität. Das Leben soll dabei nicht unkomfortabel werden oder die Wirtschaft schwächen. Klimaschutz beinhaltet viele positive Verbesserungen in unserem Lebensumfeld – weniger Lärm und Abgase, saubere Wärme und stabile Energiepreise. 

Vom Land NRW wünsche ich mir weitere Unterstützung nach dem Konnexitätsprinzip oder eine Art Klimaschutz-Billigkeit. Unbürokratisch und ohne viel Papierkram. Die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger möchte ich weiter zur schnellen Umsetzung neuer Klimaschutzprojekte ermutigen. Für die, denen es möglich ist, ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um beispielweise in PV-Anlagen, Wärmepumpen, E-Autos oder in eine nachhaltige Lebensweise zu investieren.

Albert Einstein hat mal gesagt: „Das Leben ist wie Fahrrad fahren, um die Balance zu halten, musst du in Bewegung bleiben“. Wir sollten uns also nicht entmutigen lassen und weitermachen, denn wir haben keine Zeit zu verlieren.

Bild: © Stadt Übach-Palenberg