Revier-Konferenz „Perspektiven 2026“: Über 950 Projekte und rund 3,4 Milliarden Euro Fördermittel in der ersten Förderperiode / Bürgerrat übergibt Empfehlungen an die Landesregierung / Zweite Förderphase startet zum Jahreswechsel
Bergheim/Jülich, 24. September 2026. Das Rheinische Revier verändert sich schneller als viele erwartet haben: Über 950 Projekte sind in der ersten Förderperiode des Strukturwandels angestoßen worden, rund 3,4 Milliarden Euro an Fördergeldern von Land, Bund und Europäischer Union in die Region geflossen. Diese Zwischenbilanz hat die Zukunftsagentur Rheinisches Revier GmbH am Donnerstag auf der Revier-Konferenz „Perspektiven 2026“ im MEDIO.RHEIN.ERFT in Bergheim vorgestellt. Rund 700 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen und Zivilgesellschaft nahmen an der Veranstaltung teil.
Im Mittelpunkt der Konferenz standen zwei Botschaften: Der Strukturwandel in Deutschlands größter Braunkohleregion ist keine Ankündigung mehr, sondern sichtbare Realität – und er wird von den Menschen in der Region mitgestaltet. Symbolisch dafür steht die offizielle Übergabe der Handlungsempfehlungen des Bürgerrates Rheinisches Revier an die Landesregierung Nordrhein-Westfalen.
Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien und Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen: „Das Rheinische Revier steht heute für Aufbruch. Die Zukunft wird zunehmend sichtbar. Mit mehr als 950 bewilligten Projekten haben wir eine wichtige Grundlage für einen gelingenden Strukturwandel geschaffen. Dieser Erfolg ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen von Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Gleichzeitig liegt noch viel Arbeit vor uns. Mit Tatkraft und Teamgeist gehen wir zuversichtlich in die zweite Förderperiode. Gemeinsam wollen wir das Erreichte weiterentwickeln und neue Chancen nutzen – und so die Zukunft des Rheinischen Reviers gemeinsam gestalten.“
Zweite Förderphase startet zum Jahreswechsel
Mit Beginn des kommenden Jahres startet die zweite Förderphase des Strukturwandels im Rheinischen Revier. Ihre Schwerpunkte liegen auf den Themenfeldern Wirtschaft und Entwicklung des Kernreviers. Über die Perspektiven für Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft diskutierten auf der Konferenz unter anderem Vertreterinnen und Vertreter der IHK, der Handwerkskammer, der Hochschule Niederrhein und der Stadt Erftstadt. Durch den Vormittag führte der WDR-Moderator Jan Malte Andresen.
Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes NRW und stellvertretende Ministerpräsidentin: „Beim Strukturwandel wird viel über das gesprochen, was noch vor uns steht. Das ist wichtig, denn wir haben noch viel vor. Aber genauso wichtig ist der Blick auf das, was bereits geschafft ist: Mehr als 950 bewilligte Projekte und rund 3,4 Milliarden Euro Förderung von EU, Bund und Land sind kein Zukunftsversprechen, sondern konkrete Investitionen in die Zukunft des Rheinischen Reviers. Und die Auswirkungen sehen wir – auf ehemaligen Tagebau- und Industrieflächen entstehen neue Fabriken, Labore und Arbeitsplätze. Unternehmen investieren, Forschung und Innovation wachsen und die Region entwickelt neue Perspektiven für ihre Menschen. Der Strukturwandel ist längst in der Realität angekommen.“
Bodo Middeldorf, Geschäftsführer Zukunftsagentur Rheinisches Revier: „Der Strukturwandel im Rheinischen Revier funktioniert nur, weil so viele unterschiedliche Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen. Diese Region trägt den Wandel nicht nur, sie gestaltet ihn aktiv mit. Genau dieser Gemeinschaftssinn ist unser größtes Kapital im Revier.“
Bürgerrat übergibt seine Empfehlungen
Einen zweiten Schwerpunkt der Konferenz bildete die Übergabe der Handlungsempfehlungen des Bürgerrates Rheinisches Revier an Ministerin Mona Neubaur. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hatte den Bürgerrat im September 2025 beschlossen; im Mai 2026 nahm er seine Arbeit auf.
Der Bürgerrat bestand aus 100 per Losverfahren ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern ab 16 Jahren. Rund 7.000 Menschen im Rheinischen Revier waren zuvor angeschrieben worden; aus den Rückmeldungen wurden die Teilnehmenden nach Kriterien wie Alter, Geschlecht, Bildungsstand und räumlicher Verteilung ausgewählt – eine Art „Mini-Revier“, das die Vielfalt der Region abbildet. An drei Sitzungswochenenden im Sommer 2026 erarbeiteten die Mitglieder in moderierten Kleingruppen diese gemeinsamen Handlungsempfehlungen. Die Landesregierung prüft die Empfehlungen nun und entscheidet, wie sie umgesetzt werden können.
„Der Strukturwandel verändert das Rheinische Revier – und damit auch den Alltag der Menschen, die hier leben. Deshalb ist es so wertvoll, wenn Bürgerinnen und Bürger ihre Perspektiven, Erfahrungen und Ideen einbringen. Ich danke allen Mitgliedern des Bürgerrats sehr herzlich für die Zeit, die sie investiert haben, und für die vielen konkreten Impulse. Wir nehmen diese Empfehlungen ernst und bleiben mit dem Bürgerrat darüber im Gespräch. Denn die Zukunft des Rheinischen Reviers lässt sich nicht nur am Schreibtisch gestalten – sie entsteht gemeinsam mit den Menschen vor Ort“, so Ministerin Neubaur.
Drei Projekte, die den Wandel sichtbar machen
Wie konkret der Strukturwandel bereits geworden ist, zeigten auf der Konferenz exemplarisch drei Unternehmen und Einrichtungen, die im Rheinischen Revier Zukunftstechnologien in die industrielle Anwendung bringen:
RECOSiC, Frechen: Im Rhein-Erft-Kreis entsteht die weltweit erste Siliciumcarbid-Fabrik, die vollständig nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft arbeitet. Siliciumcarbid ist ein Schlüsselrohstoff für Halbleiter, Elektromobilität und Raumfahrt. Das von der ESK-SIC GmbH (Schunk Group) gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS entwickelte Verfahren gewinnt hochreines Siliciumcarbid aus Produktionsrückständen zurück und senkt den CO₂-Ausstoß gegenüber der herkömmlichen Herstellung erheblich. Der Spatenstich erfolgte im Mai 2026. Das Vorhaben wird mit rund 30 Millionen Euro von Europäischer Union und dem Land Nordrhein-Westfalen gefördert.
Synhelion, Jülich: Synhelion entwickelt erneuerbare synthetische Treibstoffe für einen klimaverträglicheren Verkehr. Das Cleantech-Unternehmen mit Wurzeln an der ETH Zürich und beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) produziert synthetisches Kerosin, Diesel und Benzin aus erneuerbarer Energie. Die Treibstoffe können in der bestehenden Infrastruktur eingesetzt und mit fossilen Treibstoffen gemischt werden. Nach der Demonstrationsanlage DAWN plant das Unternehmen in Jülich den Bau einer kommerziellen Anlage. Sie gehört zu den Vorhaben, die über das Landesprogramm „Produktives.NRW“ aus Mitteln des Just Transition Fund unterstützt werden.
Production Launch Center Aviation (PLCA), Würselen: Am Forschungsflughafen Würselen/Aachen baut das Forschungsinstitut Access e.V. ein Entwicklungszentrum für die Fertigungstechnologien einer klimaneutralen Luftfahrt auf. Auf rund 5.000 Quadratmetern Labor- und Hallenfläche entstehen digital vernetzte Produktionsverfahren für Triebwerks- und Strukturkomponenten aus neuen Werkstoffen. Das Land überreichte Förderbescheide in Höhe von 49,2 Millionen Euro für das Projekt PLCA Launch sowie 12,5 Millionen Euro für die zweite Tranche des Projekts EcoCastAero.
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