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06.03.2019

Gastbeitrag: Gemeinsam in eine Zukunft ohne Braunkohle – der Strukturwandel hat bereits begonnen

Im Januar empfahl die deutsche Kohlekommission den Ausstieg aus der Kohle. Nach dem Atomkraftausstieg im Jahr 2022 soll nun auch die Verstromung von Kohle spätestens 2038 ein Ende nehmen. Deutschland nimmt den Klimaschutz ernst. Ein Ausgleichspaket von zwei Milliarden Euro jährlich soll die Regionen bei der Transformation unterstützen.

Doch Geld allein ermöglicht keinen erfolgreichen Wandel: Wie kann der Strukturwandel in den Braunkohleregionen aussehen, der sowohl von der Wirtschaft als auch der Gesellschaft getragen wird? Bereits heute gibt es Innovationsprojekte, die durch die Verknüpfung von Wirtschaft, Wissenschaft und lokalen Bürgervertretungen in den deutschen Braunkohleregionen die breite Akzeptanz sicherstellen. Wir wagen eine Bestandsaufnahme im Rheinischen Revier.

Der Einstieg in den Ausstieg ist gelungen

Laut der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung steht nun das Enddatum für die letzten Kohlemeiler fest. Die deutschen Braunkohleregionen werden unmittelbar von diesem Strukturwandel betroffen sein. Der Kohlekompromiss gibt hierzu für die nächsten Dekaden einen sicheren Rahmen vor, damit das Generationenprojekt Klimaschutz gezielt umgesetzt werden kann. Aber wie kann es gelingen, dass gerade die Kohleregionen auch in den Genuss der ökonomischen Potentiale der Energiewende kommen?

Alle Zeichen stehen auf Innovation!

Das Rheinische Revier ist für seine energieintensiven Branchen bekannt: Vor allem das produzierende Gewerbe und die Schwerindustrie siedelten sich hier an, da die Braunkohle für eine verlässliche und günstige Stromversorgung stand. Heutzutage spielt dem Revier die Nähe zu zahlreichen Universitäten, Wissensparks, Forschungslabors und Forschungszentren in die Karten: Bereits vor dem nun beschlossenen Kohlekompromiss arbeitete man hier bereits an einer Vielzahl von Projekten auf Hochtouren, um den Strukturwandel möglichst positiv zu beeinflussen.

NRW soll als zukunftsfähiger Wirtschaftsstandort gestärkt werden

Die "IN4climate.NRW-Initiative" vereint die Industrie, Wissenschaft und die Landesregierung, um Klimaschutzziele zu realisieren und wirtschaftliches Wachstum zu generieren. Die Partner der Initiative stammen aus der energieintensiven Industrie, Verbänden und der Wissenschaft, so dass ein Querschnitt sämtlicher Stakeholder an einem Tisch zusammenkommt und gemeinsam Strategien für eine klimaneutrale und zukunftsfähige Industrie in NRW erarbeitet. Während sich die Landesregierung um die Rahmenbedingungen kümmert, findet die Forschung in der Wissenschaft und die Implementation in der Industrie statt. Mithilfe dieser branchenübergreifenden Zusammenarbeit sollen Innovationen und Klimaschutz Hand in Hand gehen.

Zukunftsagentur – die Schmiede für neue Ideen

Die Zukunftsagentur Rheinisches Revier setzt auf den größtmöglichen Austausch der unterschiedlichen regionalen Akteure. Die Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verbände entwickeln hier gemeinsam innovative Handlungskonzepte zu Themen wie beispielsweise Energie, Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz, digitale Wirtschaft und Infrastruktur.

Um die Braunkohleregion in ihrem Wandlungsprozess aktiv zu begleiten, schreibt die Zukunftsagentur Ideenwettbewerbe aus, die dann in konkreten regionalen Entwicklungsprojekten Form annehmen. Die Projektinitiativen werden von verschiedenen, betroffenen Akteuren gestartet, um die unterschiedlichen kommunalen Kompetenzen, regionale Unternehmen oder aber Forschung und Entwicklung miteinander zu vernetzen und Innovationen voranzutreiben.

Volle Kraft voraus: Mit Wasserstoff in das Energierevier der Zukunft!

Mit Energieversorgern, der Zukunftsagentur Rheinisches Revier und der HyCologne Wasserstoff-Region Rheinland arbeitet das "EIT Climate-KIC" im Rahmen seines Re-Industrialise-Programmes an dem HyDistrict-Projekt. Climate-KIC ist eine europaweite Wissens- und Innovationsgemeinschaft, die sich für eine zirkuläre Wirtschaft, klimafreundliche Prozesse und das damit verbundene Wohl der Gesellschaft einsetzt. In Form von unterschiedlichen Projekten arbeitet das EIT Climate-KIC systematisch mit der Wirtschaft, NGOs und Behörden auf eine CO2-arme Zukunft hin.

Mithilfe des HyDistrict-Projektes soll das Rheinische Revier zu einer Wasserstoffmodellregion ausgebaut werden. Wasserstofftechnologie gilt als eine Schlüsseltechnologie für die Energiewende. In vielen industriellen Anwendungen und auch im Verkehrsbereich könnte erneuerbar hergestellter Wasserstoff in Zukunft die Rolle übernehmen, die heute fossile Energieträger wie Kohle, Erdgas und Erdöl innehaben. Damit dies gelingen kann, muss das Wissen von Experten aus der Energiewirtschaft und der chemischen Industrie zusammen geführt und weiter entwickelt werden. Zu diesem Zweck werden bei HyDistrict die relevanten Stakeholder mit den passenden Kompetenzen zusammengebracht, um weitere Barrieren abzubauen und neue CO2-arme Wege zu beschreiten.

Eine weitere Initiative von EIT Climate-KIC ist der sogenannte Climathon, bei dem die Zivilgesellschaft direkt zum Zuge kommt. Der Climathon findet jedes Jahr im Oktober für 24 Stunden als Hackathon für klimabedingte Herausforderungen statt. Studenten, Unternehmer und Bürger können sich hier in über 100 Städten engagieren und an smarten Lösungen für den Klimawandel in ihren Städten tüfteln. Die Digitalisierung bietet hier multifunktionale Ansätze, die auch für das Rheinische Revier oder aber andere Braunkohleregionen interessant sein könnten.

Der Strukturwandel macht das Rheinische Revier zur Chancenregion

Auch wenn bis 2038 noch viel Zeit vergehen wird, so hat der Strukturwandel im Rheinischen Revier bereits begonnen: Zahlreiche regionale Initiativen und Projekte in der Braunkohleregion treiben den Wandel in technologischer wie auch struktureller Hinsicht voran und läuten bereits ein neues Zeitalter ein. Nur durch solch einen integrativen Ansatz verschiedener Stakeholder und Kompetenzen, der den Klimawandel, die Wirtschaftlichkeit der Region wie auch das Wohl der Gesellschaft im Blick hat, kann ein möglichst gerechter Wandel für alle Beteiligten realisiert werden. Dessen ist sich auch Landrat Michael Kreuzberg, Mitglied der Kohlekommission, bewusst: „Die Kombination von technologischem Fortschritt, einer grüneren Energieversorgung und sicheren Arbeitsplätzen macht es möglich, dass der Strukturwandel enkelsicher über die Bühne gebracht werden kann und unsere Heimat weiterhin lebenswert bleibt.“

Weitere Informationen           

(Text: Provadis School of International Management and Technology AG/Carolin Hendrys)

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Ihr Ansprechpartner:
Marie-Luise Schaller

Telefon: +49 2461 690-150
Mobil: +49 173 3964035
marie-luise.schaller@rheinisches-revier.de

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