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teaser-bildProf. Dr. Chris­tiane Vaeßen

12.06.2020

Strukturwandel - so geht es weiter!

Der Strukturwandel wird von vielen Akteuren begleitet. Da gibt es die Zukunftsagentur, die Regionalmanagements, die Kommunen... Wer macht da eigentlich was? Gibt es klare Zuständigkeiten? - Drei Fragen an Prof. Dr. Christiane Vaeßen, Geschäftsführerin des Zweckverbands Region Aachen und Vorsitzende des Revierknotens »Innovation und Bildung«, und Ralph Sterck, Geschäftsführer der Zukunftsagentur Rheinisches Revier.

Prof. Dr. Christiane Vaeßen: Im Rheinischen Revier gibt es eine thematische Arbeitsteilung für die zentralen Zukunftsfelder Raum, Infrastruktur und Mobilität, Energie, Industrie, Innovation und Bildung, Agrobusiness und Ressource sowie eine »Internationale Bau- und Technologieausstellung«. Diese sind in sogenannte »Revierknoten« überführt worden, die an unterschiedlichen Standorten, unter dem Dach der Zukunftsagentur, die fachliche Arbeit übernehmen. Wir als Region Aachen unterstützen die Zukunftsagentur Rheinisches Revier beim Thema »Innovation und Bildung», für das ich zur Revierknoten-Vorsitzenden berufen wurde. Unsere Aufgabe besteht darin, Grundlagen und strategische Ansätze zur Weiterentwicklung des Rheinischen Reviers zu einem zentralen Innovationsraum in Europa zu erarbeiten. Darüber hinaus hat der Revierknoten Innovation und Bildung gegenüber allen Revierknoten eine relevante Querschnittsfunktion, indem er an den jeweiligen Schnittstellen fachspezifische Innovationen mitinitiiert und deren Entwicklung unterstützt. Dabei geht es uns um Leuchttürme. Im Rheinischen Revier sollen Bildungs- und Innovationsprojekte von hoher Qualität entstehen. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es Arbeitsplätze auf allen Qualifizierungsstufen zu schaffen.

Ralph Sterck: Die Zukunftsagentur Rheinisches Revier steuert den Strukturwandel im Rheinischen Braunkohlerevier gemeinsam mit dem Land und der Region. Wir bündeln einerseits die Aktivitäten und Akteure des Strukturwandels und sind andererseits die Schnittstelle etwa zur Stabsstelle Strukturwandel im NRW-Wirtschaftsministerium. Im Dezember 2019 haben wir das Wirtschafts- und Strukturprogramm 1.0 auf den Weg gebracht. Darin beschreiben wir den inhaltlichen Rahmen für den bevorstehenden Transformationsprozess und damit auch für künftige Förderprogramme. Dieses Programm werden wir über den gesamten Zeitraum des Strukturwandels bis 2038 weiterentwickeln und Schritt für Schritt umsetzen. Wir tun dies im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern, den Kommunen, mit Fachleuten aus Wirtschaft und Forschung und vielen anderen. Eine ganze Region modellhaft für die Zukunft neu aufzustellen, das ist eine spannende Herausforderung.

Ist neben den Hauptakteuren auch eine Beteiligung der Öffentlichkeit am Strukturwandelprozess ein Thema?

Prof. Dr. Christiane Vaeßen: Es ist unerlässlich, dass die einzelnen Revierknoten über umfangreiche Expertise in den jeweiligen Themenfeldern verfügen und diese Themenfelder federführend vorantreiben. Darüber hinaus ist es von zentraler Bedeutung, die Öffentlichkeit an der Vorbereitung und Umsetzung des Transformationsprozesses zu beteiligen. Die Zukunft der Region betrifft uns alle! Begonnen haben wir mit Fachkonferenzen, die wir für den Revierknoten Innovation und Bildung im Oktober initiiert haben. Es war uns ein Anliegen, in diesen Prozess regionale Experten aus Wirtschaft, Industrie, Politik und Forschung mit einzubeziehen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und das Thema Innovation und Bildung aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Wir möchten in der Region etwas bewegen. Das können wir nicht im Alleingang machen. Ab 2020 geht es darum die Unternehmen und die Menschen, die dort arbeiten stärker in den Prozess einzubinden.

Ralph Sterck: Wir wollen das Rheinische Revier zu einer Modellregion machen, die für die heutige und für die nachfolgenden Generationen ein gutes Leben und Arbeiten sichert. Deswegen sagen wir den Menschen: Im Strukturwandel stecken viele Chancen. Nutzen Sie diese Chancen für sich und Ihre Familien. Es lohnt sich, die Zukunft dieser Region aktiv mitzugestalten.Um die Bevölkerung im Rheinischen Revier zu befragen und ihre Ideen zum Strukturwandel einzubinden, startete im März 2020 unser Programm »Zukunft durch Partizipation«. Zunächst wurde eine gut austarierte sogenannte »Spurgruppe« ins Leben gerufen. Sie besteht aus 20 Bürgerinnen und Bürgern aus dem Rheinischen Revier – Männern und Frauen, jungen und älteren, Menschen mit ökologischem, sozialem und ökonomischem Fachverstand. Sie sorgen dafür, dass die verschiedenen Interessen der Bürgerschaft im Rheinischen Revier beim Strukturwandel berücksichtigt werden. Dazu erarbeitet die Spurgruppe eine sogenannte »Beteiligungs-Charta«. Im Lauf des Jahres werden noch zahlreiche Beteiligungsformate online und im direkten Gespräch stattfinden: Revierwerkstätten, Foren, Touren und Gespräche.

Die Fachkonferenzen der einzelnen Revierknoten sind gelaufen, das Wirtschafts- und Strukturprogramm 1.0 ist auf den Weg gebracht. Wie geht es nun weiter?

Prof. Dr. Christiane Vaeßen: Der erste Entwurf für die Bund-Länder-Vereinbarung, um eine langfristige Finanzierungssicherheit im Rheinischen Revier sicher zu stellen, liegt vor. Aktuell sind bei der Landesregierung die fördertechnischen Rahmenbedingungen für die Projektvergabe im geplanten Regelprogramm in Vorbereitung. Auch für den Revierknoten Innovation und Bildung zeichnen sich die nächsten Schritte ab. »Idee findet Kommune« ist eine Veranstaltung, die in 2020 stattfinden und den erfolgreichen Transfer wissenschaftlicher Ideen und Erkenntnisse in die Region unterstützen wird. In fünfminütigen Pitches werden in diesem Rahmen weit fortgeschrittene Projekte aus den Hochschulen den Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Rheinischen Reviers präsentiert und damit wichtige Kontakte zwischen der Wissenschaft und den Entscheidungsträgern hergestellt. Zur grundlegenden Analyse und Fokussierung der Ausgangslage, werden außerdem von uns Studien zur Innovationsregion Rheinisches Revier sowie zur Weiterbildungslandschaft initiiert. Auf der Grundlage der daraus erwachsenden Ergebnisse können die nächsten Schritte gezielter geplant und umgesetzt werden. Eine weitere wichtige und aktuelle Aufgabe besteht darin, die in der Region vorhandenen und weit entwickelten Projektideen so zu qualifizieren und zu begleiten, dass diese eine Förderung im Rahmen des in der zweiten Jahreshälfte 2020 erwarteten Strukturstärkungsgesetzes erhalten können.

Ralph Sterck: Wir werden den Weg des Strukturwandels in den nächsten Jahrzehnten in Etappen gestalten. Parallel zu den ersten Kraftwerksabschaltungen werden bereits neue Strukturen entstehen. Innovative Unternehmen werden sich ansiedeln und damit entstehen Arbeits- und Ausbildungsplätze und Wertschöpfung. Wir bauen darauf, dass der Bundestag die nötigen Rahmengesetze für den Strukturwandel möglichst noch im ersten Halbjahr 2020 beschließt. Danach soll ein sogenannter »Reviervertrag« formuliert und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Er wird den 2,4 Millionen Menschen, die im Rheinischen Revier leben, signalisieren: Der Bund und das Land NRW stehen verbindlich hinter dem Rheinischen Revier und fördern den Strukturwandel mit festen Zusagen. Das wird uns allen einen großen Schub nach vorn geben, um eine lebenswerte Zukunft für diese Region zu gestalten.

(Quelle: Jahresbericht 2019 des Zweckverbands Region Aachen)

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