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teaser-bildFoto: Titelseite der Innovationsstudie ©Zukunftsagentur Rheinisches Revier; Gestaltung: MC Group Berlin

22.06.2021

Innovationsstudie gibt Handlungsempfehlungen

Leuchttürme aufbauen, kooperative Netzwerke stärken sowie alle Akteure im Rheinischen Revier noch besser integrieren und koordinieren: Das sind die drei großen Arbeitsaufträge, welche sich aus der neuen Innovationsstudie für die Zukunftsagentur Rheinisches Revier und alle ihre Partner ergeben. Die wissenschaftliche Untersuchung hat der Revierknoten „Innovation und Bildung“ der Zukunftsagentur in Auftrag gegeben und stellt sie in einer Online-Veranstaltung heute öffentlich vor. Die Aufzeichnung in voller Länge finden Sie unten.

Die knapp 150 Seiten umfassende Innovationsstudie (vollständiger Titel und Verantwortliche: siehe Hintergrund unten) hat auf drei Ebenen Stärken und Schwächen des regionalen Innovationssystems untersucht:

  • vorhandene und fehlende Akteure
  • Interaktion zwischen den Akteuren
  • politisch-strukturelle Rahmenbedingungen für Wissensaustausch

Dies hat gezeigt, dass das Rheinische Revier zwar über eine exzellente Forschungslandschaft, eine vielseitige, wenngleich zu stark fragmentierte Wirtschaftsstruktur und eine gute Vernetzung innerhalb der Wissenschaft verfügt. Zu den Problemen gehören jedoch, dass die Zusammenarbeit der lokalen Wirtschaft mit dem Forschungssektor noch Lücken aufweist, viele Absolventinnen und Absolventen die Region verlassen und mit ihnen auch potenzielle Start-ups woanders Fuß fassen. Bürokratie und Doppelstrukturen erschweren zudem, den Strukturwandel mit hohem Tempo und gezielt voranzutreiben. Diese und weitere identifizierte Schwächen bedingen, dass das Rheinische Revier im Vorjahr in vielen wirtschaftlichen Indikatoren hinter dem Landes- und Bundesdurchschnitt geblieben ist. Das wiederum bremst einen innovationsgetriebenen Strukturwandel. Doch dem lässt sich gegenwirken.

Denn die Studienergebnisse benennen gleichsam zehn klar umrissene Bereiche („Innovationsfelder“), in denen quantitativ und qualitativ große Kompetenz besteht, sodass Innovationskraft sich auf diese fokussieren kann.
 

Die zehn Innovationsfelder (in alphabetischer Reihenfolge), die durch quantitative und qualitative Analysen erkannt wurden, betreffen:

  • Alternative Antriebstechnologien, die umweltschonende Mobilität ermöglichen
  • Aviation – Innovationen für eine neue Mobilität in der Luft
  • Bioökonomie – Erzeugung, Nutzung und Schutz erneuerbarer, biobasierter Ressourcen
  • Digitale Medizin – Transformation von Medizin und Gesundheitswirtschaft durch Digitalisierung
  • Energiesystem der Zukunft – Technologien und Systeme, welche den Übergang zu einer nachhaltigeren Energieversorgung ermöglichen
  • Katalyse – Beschleunigung chemischer und biologischer Prozesse durch möglichst geringe Aktivierungsenergie
  • Nanoelektronik – elektrische/elektronische Komponenten im Nanometerbereich
  • Neue Materialien und Werkstoffe, die neue Anwendungen in der Industrie ermöglichen
  • Quanten- und Supercomputing, um hochanspruchsvolle Rechenleistungen zu ermöglichen
  • Zukunftsfähige Industrie – Technologien, die das Potenzial haben, Produktionsprozesse zu digitalisieren

Um die Akteurslandschaft künftig neu zu ordnen und Anreize zum Gründen und Ansiedeln zu schaffen, erteilt die Studie die Handlungsempfehlung, zunächst zwei bis drei Innovationsfelder als Leuchttürme aufzubauen. Diese sollen künftig als „Zugpferde“ dienen, um die Wirtschaft im Revier weiterzuentwickeln und Spezialisierungsvorteile zu erreichen. Auch eine stärkere Vermittlung zwischen Wirtschaft und Forschung mit dem Ziel, Innovationen von der Theorie in die Praxis zu überführen und für den Markt zu verwerten, steht auf der To-Do-Liste, die sich aus der Studie ergibt. Begleitend ist zudem eine thematische Gründungsförderung entlang der Innovationsfelder sinnvoll, um Start-ups auf den Weg zu bringen und im Revier zu halten.

Für die Zukunftsagentur als Mitgestalterin des Strukturwandels besonders relevant ist der Handlungsbedarf, den die Studie im Bereich Integration und Koordination sichtbar macht. Demnach müsse eine steuernde Hand die stark fragmentierte Akteurslandschaft in der Region ordnen, regionale Identität nach innen und außen entwickeln, Förderzugänge vereinfachen und unterstützen sowie das Rheinische Revier ganzheitlich betrachten.

Wirtschafts- und Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart: „Damit der Strukturwandel im Rheinischen Revier gelingt, müssen wir die Potenziale der lokalen Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen noch stärker nutzen. Die vorliegende Studie gibt uns Hinweise über die Stärken des Rheinischen Reviers und die erforderlichen Maßnahmen, um das Innovationsgeschehen weiter zu beschleunigen. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Rheinischen Reviers hin zum Innovation Valley, dem weltweit größten Klimaschutzprojekt, in dem die zukunftsweisenden Technologien von morgen entstehen.“

Die vollständige Studie lässt sich hier herunterladen. Die Vortragsfolien stehen ebenfalls zum Download bereit:

Aufzeichnung

Die Veranstaltung in voller Länge sehen Sie hier:

Hintergrund: Menschen hinter der Studie

Die Studie „Analyse der Regionalen Innovationspotenziale des Innovationstransfers im Rheinischen Revier“ hat der Revierknoten „Innovation und Bildung“ im Namen der Zukunftsagentur Rheinisches Revier in Auftrag gegeben. Den Revierknoten leitet Prof. Dr. Christiane Vaeßen, die auch Geschäftsführerin des Projektpartners Region Aachen Zweckverband ist. Die Studie realisiert hat federführend das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW) in Leipzig, namentlich Dr. Friedrich Dornbusch, Dr. Benjamin Klement, Dr. Julian Kahl und Manuel Molina-Vogelsang. Einen Unterauftrag hat das IMW an seinen Projektpartner Görgen & Köller GmbH in Hürth vergeben, wo Dr. Christoph Köller, Dr. Walter Görgen, Bettina van Nahl und Josef Pinter beteiligt waren.

Alle Kontaktdaten der Revierknoten finden Sie hier.

Extra: Kurzinterview

Drei Fragen an Prof. Dr. Christiane Vaeßen,
Vorsitzende des Revierknotens „Innovation und Bildung“ und Geschäftsführerin der Region Aachen

Warum hat Ihr Revierknoten eine solche Innovationsstudie in Auftrag gegeben?

Prof. Dr. Christiane Vaeßen: Der Strukturwandel wird das wirtschaftliche Gesicht des Rheinischen Reviers nachhaltig verändern. Damit die Region in neuem Glanz erstrahlt, müssen neue Pfade im Zusammenspiel aus Wissenschaft und Wirtschaft betreten werden. Diese Studie gibt uns nicht nur einen ausgezeichneten Überblick über die Potenziale im Rheinischen Revier, sondern auch über Verbesserungen in diesem Zusammenspiel.

Was ist die wesentliche Erkenntnis dieser Studie?

Prof. Dr. Christiane Vaeßen: Sowohl die wissenschaftliche Expertise als auch die wirtschaftliche Verwertungskompetenz sind im Rheinischen Revier vorhanden. Es gilt, diese aber noch besser zu vernetzen und aufeinander abzustimmen. Daher entwickelt der Revierkoten in Zusammenarbeit mit zahlreichen regionalen Akteurinnen und Akteuren ein Konzept, um das Rheinische Revier zu einem Innovation Valley zu entwickeln.

Weshalb haben Sie ein Institut aus Leipzig mit der Erstellung der Studie beauftragt?

Prof. Dr. Christiane Vaeßen: Das Fraunhofer IMW verfügt über eine hervorragende Expertise in der Untersuchung regionaler Innovationssysteme. Das Autorenteam um Dr. Friedrich Dornbusch hat bereits in der Vergangenheit nationale und internationale Regionen untersucht. Außerdem hilft uns ein Blick von außen auf das Rheinische Revier. Denn durch seine andere Perspektive auf unsere Region hat das Fraunhofer IMW eine aussagekräftige Studie erarbeitet.

Prof. Dr. Christiane Vaeßen

Ihr Ansprechpartner:
Prof. Dr. Christiane Vaeßen

christiane.vaessen@rheinisches-revier.de

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