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teaser-bildFoto: Stadt Herzogenrath

15.12.2021

Herzogenraths Wandel II: Hand in Hand zum Pionier der Energiewende

So ein Windrad, das macht doch Krach und verunstaltet die Aussicht: so die Meinung vieler Menschen. Aber stimmt das wirklich oder entpuppt der Realitätscheck das als unhaltbares Vorurteil? Der Herzogenrather Bürgermeister Dr. Benjamin Fadavian will, dass seine Bürgerschaft die Antwort darauf selbst findet – mit Erfahrungswerten.

Foto: Zukunftsagentur/Pakura

Aber wie soll das gehen? Jedem testweise ein Windrad in den Garten bauen und wieder abreißen, wenn es stört, geht natürlich nicht. „Aber wir können ein solches Szenario für mehrere Sinne erlebbar machen – mit einer Virtual-Reality-Brille, die wirklichkeitsnah zeigt, wie eine künftige Bebauung aus der jeweiligen Perspektive aussehen und wie sie sich anhören würde, wenn wie im Beispiel Windkraft eventuell auch Geräusche entstehen“, steigt er in das Thema Strukturwandel in Herzogenrath mal anders ein. Nämlich mit Bürgerbeteiligung auf neuen Wegen: Statt formalisierten Delegationen stellt er sich eine möglichst breitflächige interaktive Teilhabe aller Interessierten quer durch die Altersgruppen vor. Sie sollen ausprobieren und ihre ehrliche Meinung beitragen, „damit Ratsbeschlüsse künftig die breite Rückendeckung der Bevölkerung haben, statt auf der Meinung von Politikern zu basieren“, wünscht er sich: „Keiner soll sich abgehängt fühlen. Wir wollen uns harmonisch und organisch in Richtung Veränderung entwickeln, alle gemeinsam!“

Foto: Pixabay/User andreas160578

Was keine Geräusche erzeugt und bereits steht, allerdings angenehm weit weg vom Blickfeld der breiten Öffentlichkeit: der größte Solarpark Nordrhein-Westfalens. Und der soll weiter wachsen. Auf dem Gelände der Nievelsteiner Sandwerke in Norden Herzogenraths, angrenzend an Eygelshoven auf niederländischer Seite, ist Platz für beides: Stromerzeugung aus Tageslicht und Abbau von Nutzsand. Schon jetzt klingt das Resümee des Betreibers wie real gewordene Zukunftsmusik: „42.000 Solarmodule erzeugen eine Spitzenleistung von 10 Megawatt. Der Solarpark ist mit 80.000 Quadratmetern größer als 11 Fußballfelder und versorgt mehr als 3.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom“, schreibt EWV auf der Website. Künftig könnten weitere Module etwa auf dem glitzernden See schwimmen, „was sie dann gleichzeitig kühlen wird“, beschreibt der Beigeordnete Franz-Josef Türck-Hövener einen Doppelnutzen. Und das ist nur eine von zig guten Ideen.

Das ist aber so ein kleines bisschen Kern des Problems des Herzogenrather Strukturwandels: Es sind mit der Zeit so viele gute Ideen und Akteure zusammengekommen, dass es jetzt gilt, den riesigen Berg Arbeit erst einmal in kleinere Hügel aufzuteilen. Und der erste, den Herzogenrath auf dem Weg zum Vorreiter in Sachen autarke Energieversorgung erklimmen will, heißt: Stabsstelle Strukturwandel. „Wir brauchen hier Leute, die alle Fäden in der Hand halten, Dinge ordnen und vorantreiben“, erläutert Fadavian, warum dieses Teilprojekt im SofortprogrammPLUS, für das seit August ein Förderzugang identifiziert ist, die notwendige Basis darstellt. Dass die Formalien und das Warten auf die Förderung die Planungen erschweren, nimmt beiden nicht den Wind aus den Segeln.

Türck-Hövener und Fadavian haben eine klare Vision für Herzogenrath, das den Wandel vom Zechen- zum Technologiestandort ja schon geschafft hat und nun für ähnlich strukturierte Gemeinden bundes- und europaweit zum Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit werden will: „Wir wollen die erste mittelgroße Stadt sein, die bis 2030 in der Lage ist, sich selbst emissionsfrei mit Energie zu versorgen. Dazu trägt aber nicht nur das Vorhaben ‚Energiepark Herzogenrath‘ bei, sondern jeder einzelne Mensch, der in unseren Stadtgrenzen lebt und arbeitet.“ Und hier schließt sich der Kreis zur Bürgerschaft und warum Beteiligung aus der Sicht von Beigeordnetem und Bürgermeister unerlässlich ist.

„Wir wollen nicht den Strukturwandel an den Menschen vorbei, sondern mit den Menschen gemeinsam gestalten. Wirklich umfassend kann das ohnehin nur gelingen, wenn jeder mitmacht. Jeder trägt bei, was er kann und will: Solarpanels auf dem eigenen Dach, geteilte Autos, regionale Produkte bevorzugen: Es gibt eine unendliche Vielfalt an Dingen, mit denen sich alle einbringen können. Und genau das wünschen wir uns. Denn es reicht nicht, irgendwo einen Solarpark hinzusetzen und perspektivisch wasserstoffbasierte Speicher zu integrieren. Auch die kleinen Bausteine tragen zur Versorgungsstabilität und zur Nachhaltigkeit bei“, fasst Fadavian viele komplexe Ideen und Pläne noch einmal vereinfacht zusammen. Die Botschaft ist klar: Herzogenrath rockt das – und zwar Hand in Hand! /pak

Zum ersten Teil dieser Geschichte „Herzogenraths Wandel I: Von der Grube zur Innovationsschmiede" geht es hier.

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