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teaser-bildFoto: Zukunftsagentur Rheinisches Revier, Maria Pakura

11.03.2021

Energiewandel-Studie fokussiert Rheinisches Revier

Der Revierknoten „Energie“ der Zukunftsagentur Rheinisches Revier hat jüngst eine mehrteilige Studie vorstellt, die erstmals einen expliziten Fokus auf das Energieversorgungssystem des Rheinischen Reviers richtet. Auf den Erkenntnissen daraus basiert der Energie betreffende Teil in der überarbeiteten Version 1.1 des Wirtschafts- und Strukturprogramms (WSP), die dieses Jahr veröffentlicht wird.

Der Titel der Studie spricht für sich: „Ein Energiesystem der Zukunft für das Rheinische Revier“. Realisiert hat sie im Auftrag der Zukunftsagentur die BET Büro für Energiewirtschaft und technische Planung GmbH in Zusammenarbeit mit der Bergischen Universität Wuppertal. Ergebnis ist ein 104-seitiges Schriftstück, das vier Dimensionen umfasst: eine Metastudie als Basis, ein Modellierungswerkzeug, eine weiterführende Teilstudie zur Systemarchitektur sowie ein Fahrplan.

Die Metastudie analysiert zwölf vom verantwortlichen Revierknoten ausgesuchte Studien aus den Jahren 2017 bis 2019. Das Fazit aus dieser besagt, dass die Energiewende zwar ein ganz Deutschland betreffender Prozess ist, den überall der Ausbau der Erneuerbaren Energien mitträgt, für den jedoch auch Wärme ein „immer noch unterschätzter Faktor“ sei. Das Rheinische Revier sei indes „wie unter einem Brennglas“ vom Wandel betroffen. Grund ist selbstredend der 2020 beschlossene Kohleausstieg, der sich im Revier energetisch nicht kompensieren lasse. Das allein würde jedoch auch nicht reichen, um den Wandel zu schaffen, weil dieser nicht isoliert die Energieversorgung betrifft, sondern „weite Teile des gesellschaftlichen und sozialen Systems“. Als Treiber sei dabei die Demografie zwar nicht augenfällig, aber von höchster Relevanz. Die Priorisierung von Handlungsoptionen und Technologien, um die Energiewende voranzubringen, unterliege derweil ständigem Wandel und lasse sich als dynamischer Rahmen für weitere Diskussionen nutzen.

Das Modellierungswerkzeug will „die Vielfalt vorhandener und noch kommender […] Daten zugänglicher“ machen. Es verschmilzt Programmtechniken, die auf Excel-Tabellen und Geografischen Informationssystemen (GIS) beruhen, um komplexe Zusammenhänge auf Karten darstellen zu können. Ausgewählte Daten bilden in der Studie eine Basis, zeigen beispielsweise, wie sich die Strombilanz geografisch auf die Gemeinden verteilt. Derweil ist das Werkzeug darauf ausgelegt, für künftige Anliegen flexibel neu mit Daten gefüttert zu werden, und so jederzeit weitere oder ergänzende Einsichten liefern zu können. Dies versetzt seine Nutzer in die Lage, Daten auch bei veränderten Priorisierungen oder Erkenntnissen und bei sich wandelnden Szenarien immer aktuell nutzen und visualisieren zu können.

Die weiterführende Teilstudie erschließt die sogenannte Systemarchitektur. Ziel ist, die „Komponenten und ihre Eigenschaften“, Zusammenhänge und Abhängigkeiten innerhalb des Umbruchprozesses der Energielandschaft kennenzulernen, „um ihr Verhalten einzuschätzen“ zu können. Dies soll ein verlässliches Fundament für den folgenden Fahrplan schaffen. Im Zwischenfazit steht wörtlich: „Die Analyse der Systemarchitektur zeigt, dass erhebliche Anstrengungen notwendig sind, um die Stromerzeugung im RR [Rheinischen Revier; Anm. d. Red.] zu substituieren und auch die Wertschöpfung zu erhalten. Als mögliche Komponenten kommen insbesondere Photovoltaik und Windenergie infrage. Aber auch die Herstellung von grünen Gasen und synthetischen Energieträgern könnte im RR erfolgen.“

Der Fahrplan fokussiert den anstehenden Systemumbau, wobei das Zielsystem unscharf bleibt, da manche Technologien noch nicht marktreif und massentauglich entwickelt sind. Daraus folgt, dass Flexibilität und Technologieoffenheit unverzichtbar sind. Das Zwischenfazit kommt zu vier Schlüssen. Nämlich dass das Rheinische Revier erstens künftig nicht mehr Stromexporteur, sondern bestenfalls ein Gebiet mit ausgeglichener Energiebilanz sein wird, wobei zweitens derzeit unklar ist, wie viel des technischen Potenzials sich tatsächlich erschließen lässt. Drittens lässt sich prognostizieren, dass ländliche Regionen mehr Strom erzeugen können als sie verbrauchen, was dort zu einem Stromüberschuss führt, von dem Städte profitieren. Und da in diesen Betrachtungen viertens nur jahresübergreifende Betrachtungen durchgeführt wurden, können keine Aussagen für den innerjährlichen Verlauf getroffen werden, wofür Speichermöglichkeiten notwendig sein werden. Aus all diesen Punkten wird in der Studie weiterer Forschungsbedarf abgeleitet.

Zusammenfassend zeigt die BET-Studie „viele grundsätzliche Optionen zur Ausgestaltung des zukünftigen Energiesystems“ auf. Als unverzichtbare Pfeiler kristallisieren sich dabei der Ausbau Erneuerbarer Energien sowie der von Möglichkeiten zur Wandlung und Speicherung von Energie heraus. Sollen dieser Ausbau sowie notwendige Sanierungen „in den nächsten 30 Jahren so ambitioniert durchgeführt werden, wie für die Erreichung der Klimaziele notwendig ist, werden pro Jahr Investitionsvolumen von über 1,5 Mrd. Euro benötigt“, so die Prognose, wobei sich an diesem neben dem Staat auch Privatpersonen, Gewerbe und Industrie beteiligen müssten. „Zudem sind große Teile dieser Investitionen auch rentabel“, zeigt das Schlusswort sich optimistisch.

Ansprechpartner bei Fachfragen zum Thema ist der Revierknoten „Energie und Industrie“ der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, zu dem ausführliche Informationen hier zu finden sind.

Alle Ansprechpartner finden Sie hier.

Die vollständige Studie sowie die Vorstellungspräsentation können Sie hier herunterladen:

Vorstellungspräsentation

Christian Wirtz

Ihr Ansprechpartner:
Christian Wirtz

Telefon: +49 2461 690-181
christian.wirtz@rheinisches-revier.de

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