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08.10.2021

Das Rheinische Revier als Inspiration für den slowenischen Strukturwandel

Wie das Rheinische Revier steht auch die Region „Savinja and Šalek Valley“ in Slowenien vor den Herausforderungen des Strukturwandels. Um wertvolle Einblicke in unterschiedliche Aspekte dieses Veränderungsprozesses zu erhalten, tauschen sich Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen europäischen Ländern und Regionen über ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu bewährten Verfahren auf dem Weg aus der Kohle aus. Im Rahmen dieser internationalen Konferenz „Welcome, Future - with Green Deal to Life Quality“ hält auch unser Geschäftsführer Ralph Sterck einen Vortrag über die Arbeit der Zukunftsagentur im Rheinischen Revier.

Auf der zweitägigen Konferenz in Sloweniens sechstgrößter Stadt Velenje berichtet Geschäftsführer Ralph Sterck – authentisch aus dem Rheinischen Revier zugeschaltet – über die Rolle der Zukunftsagentur im Strukturwandelprozess. Ziel ist es, gemeinsam mit den Akteuren in der Region sowie mit den Landes- und Bundesregierungen negative Auswirkungen des Kohleausstiegs durch folgende Komponenten zu verhindern:

  1. Energiewende: Mit Hilfe der Energiewende sollen so schnell wie möglich klimafreundliche Energieträger zur Verfügung gestellt werden. Dabei spielt vor allem Wasserstoff eine wichtige Rolle.
  2. Landschaftsbild: Aufgrund der enormen Eingriffe in die Infrastruktur beeinträchtigen Tagebaufelder das Landschaftsbild maßgeblich. Die Vision ist es, die Abbauflächen in blühende Seenlandschaften zu verwandeln.
  3. Arbeitsplätze: Mit der Schließung der Tagebaue werden Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren. Zentrales Ziel ist es, den Arbeitnehmern Perspektiven zu bieten, sie bei der Qualifizierung und Umschulung zu unterstützen, aber auch die Standortattraktivität der Region erhöhen, um mehr Unternehmen zur Ansiedlung zu bewegen, damit neue Arbeitsplätze entstehen, die auch in 20 Jahren noch tragfähig sind.

Diese und viele andere Faktoren hängen stark miteinander zusammen. Umso wichtiger ist es, einen Plan zu entwickeln, wie man diese koordinieren kann. Das Wirtschafts- und Strukturprogramm – eine Art Fahrplan für die kommenden Veränderungen – gibt jedem Thema im Rahmen des Strukturwandels eine Richtung. So werden beispielsweise Projekte, die das Potenzial haben, die im Programm versprochenen Veränderungen zu unterstützen, zu einer möglichen Förderung begleitet. Um eine neutrale und objektive Grundlage für die Bewertung zu schaffen, ob ein Projekt eine Finanzierung verdient oder nicht, hat die Zukunftsagentur ein Qualifizierungsverfahren entwickelt. Es ist dreistufig, wobei in jeder Stufe ein Stern vergeben wird. Drei Sterne sind gleichbedeutend mit der Aussage, dass dieses Projekt dem Strukturwandel zugutekommt und dass der Zugang zur Finanzierung geebnet ist. Um diese Sterne zu erhalten, müssen die Projekte konkrete Bedingungen erfüllen.

Zwei Programme – Sofortprogramm PLUS und Starterpaket Kernrevier – mit insgesamt über 100 Projekten laufen bereits. Beispielshaft für die Qualität und der Bandbreite der Vorhaben präsentierte Ralph Sterck einige der Projekte. 

Darunter auch die „InnovationsPlattform Entrepreneur-Ship Center Rheinisches Revier (ECRR)" in Hürth. Das ECRR soll eine Drehscheibe werden, die den interdisziplinären Austausch zwischen Wissenschaft, Industrie, Wirtschaft, Handwerk und Startups sowie die Innovationsleistung aller Beteiligten fördert. Eine höhere Innovationskraft stärkt wiederum die Standortfaktoren, denn neue Ideen und Produkte erzeugen Aufmerksamkeit und können auch bestehende Probleme lösen. So wird das Rheinische Revier in Zukunft noch mehr Startups anziehen: eine Aufwärtsspirale.

An dieser Aufwärtsspirale partizipiert auch das Projekt „AI Village", das ebenfalls in Hürth angesiedelt ist. Es wird in Zukunft die Standortfaktoren mit Kompetenzen im Bereich der Künstlichen Intelligenz bereichern. In dem Hürther Ortsteil Kalscheuren soll ein Modellzentrum mit überregionaler Ausstrahlung entstehen. Die Perspektive ist, dass Experten aus Forschung, Wissenschaft, Wirtschaft und Bildung gemeinsam an einem physischen Hub und spezifischen Transferangeboten arbeiten werden. Sie sollen Impulse für innovative Produktentwicklungen und die Entwicklung neuer Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle geben.

Die Forschung sorgt dafür, dass Innovationen schnell zur Marktreife gelangen, Unternehmen sie am Markt umsetzen und damit erstens den Wandel vorantreiben und zweitens neue Geschäftsfelder und ganze Unternehmen und damit Arbeitsplätze schaffen.

Daraus wird deutlich, dass vernetztes Denken und interdisziplinäre Zusammenarbeit unerlässlich sind. Sascha Solbach, Bürgermeister der Stadt Bedburg, war auch dabei und ergänzt: „Uns allen ist bewusst, dass in allen Regionen, die vom Strukturwandel betroffen sind, in wenigen Jahren eine alternative Infrastruktur stehen muss und was das für eine unglaubliche Herausforderung an Politik, Industrie und vor allem an die Menschen vor Ort ist. Es ist deshalb neben der intellektuellen Herausforderung, unser Revier neu zu definieren, in erster Linie eine emotionale und zwischenmenschliche Herausforderung, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen auf diese Reise in ihre alte und gleichermaßen neue Heimat. Ohne das Zutrauen in uns und die Zuversicht, dass wir in kürzester Zeit neue Unternehmen ansiedeln, damit überhaupt erst die Voraussetzungen schaffen, um attraktive und zukunftssichere Arbeitsplätze zu generieren und auch interkommunal auf sehr lange Sicht zusammenzuarbeiten, werden wir vor allem die jüngere Generation auf Dauer nicht bei uns in den Revieren halten können. Deshalb setzen wir in Bedburg alles daran, Projekte wie den Wasserstoff Hub, das Green Industrial Makers Space und andere Projekte des Strukturwandel zügig voranzutreiben und damit als real erlebbar zu machen.“

Abschließend gibt Ralph Sterck den Teilnehmenden auf den Weg: „Bringen Sie Fachleute für verschiedene Bereiche zusammen und lassen Sie sie gemeinsam eine Richtung erarbeiten. Beteiligen Sie die Menschen. Dann ist der Strukturwandel zwar immer noch schwierig genug, aber er hat die besten Voraussetzungen, im Interesse aller zu gelingen.“

Weitere Informationen und den Livestream zur Konferenz gibt es hier.

Morena Blajic

Ihr Ansprechpartner:
Morena Blajic

Telefon: +49 2461 690-158
morena.blajic@rheinisches-revier.de

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