teaser-bildRevier­knoten "Raum": Fach­kon­fe­renz in der Stadt­halle Erke­lenzFoto: Zukunftsagentur Rheinisches Revier/Andreas Schmitter

04.11.2019

Eine Perspektive für die Gestaltung des Rheinischen Reviers bis ins Jahr 2100

Für Peter Jansen, den Bürgermeister der Stadt Erkelenz, ist die künftige Raumplanung im Rheinischen Revier von ganz entscheidender Bedeutung für das Gelingen des gesamten Strukturwandelprozesses: „Die Glaubwürdigkeit gegenüber den Bürgern hängt davon ab, dass man sich um ihre Belange kümmert und dass man Vertrauen schafft. Deshalb gibt es eine hohe Erwartungshaltung. Wir brauchen kluge Menschen und kluge Entscheidungen, um die Region nach vorn zu bringen!"

Als letzter der sechs Revierknoten lud die Zukunftsagentur Rheinisches Revier zur Fachkonferenz des Revierknotens "Raum" in die Stadthalle nach Erkelenz ein. Etwa 150 Fachleute aus Verbänden, Planungsbüros sowie von den verschiedenen Verwaltungsebenen informierten sich über den aktuellen Stand und tauschten sich zum Thema Raumplanung im Rheinischen Revier aus. Bereits beim Hereinkommen konnten sie im Foyer den Stand der Planungen rund um die drei Braunkohletagebaue Inden, Hambach und Garzweiler einsehen.

Zusammenarbeit und kluge Planung: Vorträge von Expertinnen

Prof. Christa Reicher stellte sich als Revierknoten-Vorsitzende vor. Sie wird diese Funktion gemeinsam mit Ralph Sterck, dem Geschäftsführer der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, ausüben. Reicher gab einen Überblick zu Herausforderungen und Potenzialen des Raumplanungsprozesses. Es sei bis jetzt schon viel vorgedacht und entwickelt worden, auf dem man aufbauen könne. Nun gehe es darum, gut zu kooperieren und dabei den Eigensinn zu überwinden. Außerdem müsse der Prozess klug geplant werden: Kommunen, Initiativen und Verbände müssten ebenso eingebunden werden wie die formellen Planungsebenen bis hin zum EU-Recht. Nur so könne ein integrierte Raumentwicklung gelingen.

Eine Vision, wie eine solche Raumentwicklung rund um den Tagebau Hambach einmal aussehen könnte, stellte im Anschluss Prof. Ursula Stein anschaulich vor. Ihr Büro war an diesen Planungen beteiligt, die besonders herausfordernd waren, weil sich die Befüllung des Tagebausees Hambach bis ins Jahr 2100 hinziehen wird.

Die Raumplanerin Dr. Bettina Lelong hatte im Auftrag der Zukunftsagentur Rheinisches Revier die Planungen der verschiedenen Akteure intensiv miteinander verglichen. Sie wies auf diverse Interessenkollisionen beim heutigen Stand der Planung hin: Einige Gebiete seien in einem Entwurf als Grünfläche oder Wohngebiet, in einem anderen als Industriegebiet ausgewiesen. Am Beispiel der Stadt Neuss machte sie auch klar, dass die Masse der zur Verfügung stehenden Brachflächen bei genauerem Hinsehen zusammenschrumpfe. Sie erarbeite gerade ein solches Verzeichnis nutzbarer Brachflächen für alle Orte des Rheinischen Reviers.

Den Wandel im Rheinischen Revier aus Sicht von RWE Power erläuterte schließlich Dipl.-Ing. Elisabeth Mayers-Beecks sehr anschaulich. Ihr Unternehmen habe jahrzehntelange Erfahrung in Sachen Rekultivierung und Nachnutzung von Braunkohlentagebauflächen, erläuterte sie. In naher Zukunft würden etwa Teile des Kraftwerksstandort Frimmersdorf nicht mehr benötigt. Schon heute sei man gemeinsam mit zahlreichen Partnern mit der Planung einer Nachnutzung als Industrie- und Gewerbepark weit vorangeschritten. RWE Power stehe hundertprozentig zum Beschluss der Strukturwandelkommission und werde diesen auch umsetzen.

Konkrete Ideen

In der Diskussion beantworteten die Expertinnen zahlreiche über ein Online-Tool gestellte Fragen. In Arbeitsgruppen wurden Vorschläge zur Gestaltung des Raumes im Rheinischen Revier entwickelt und miteinander diskutiert. Die Bandbreite der Vorschläge reichte von Visionen wie einer Kanalverbindung zwischen den zukünftig drei Tagebauseen über die Errichtung einer kompletten neuen Stadt zur Abfederung des Zuzugs in die benachbarten Ballungsräume bis hin zur Errichtung „rechtsfreier“ Experimentierräume oder einem „Büro für Stadtermöglichung“. Zu einem guten Leben im Rheinischen Revier gehören nicht nur attraktive Arbeitsplätze und eine moderne Verkehrsinfrastruktur, sondern auch Grünräume und ein hoher Freizeitwert. Damit könnten gerade die neu entstehenden Tagebauseen punkten, hieß es.

Ausblick

„Wenn man bedenkt, dass der Beschluss der Strukturwandelkommission erst im Januar dieses Jahres erfolgt ist, sind wir bislang mit unseren Überlegungen schon sehr, sehr gekommen sind“, erklärte der Revierknotenvorsitzende Ralph Sterck zum Abschluss der Fachkonferenz. Er kündigte an, auch im kommenden Jahr weitere Veranstaltungen zu diesem Thema, auch mit Bürgerbeteiligung, durchzuführen.

Die Arbeitsergebnisse dieser Fachkonferenz fließen in den Entwurf der ersten Fassung des Wirtschafts- und Strukturprogramms (Entwurf WSP 1.0) der Zukunftsagentur für das Rheinische Revier ein, das zur nächsten Revierkonferenz am 13. Dezember 2019 vorliegen wird.

(Bilder: Zukunftsagentur Rheinisches Revier/Andreas Schmitter)

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