Her­mann-Josef Toro de la Cruz arbeitet im Cowor­king Space »digi­talChurch« in Aachen als Faci­lity Manager, Patrick Quasten ist sein Assis­tent

Hermann-Josef Toro und Patrick Quasten halten den Aachener Startups den Rücken frei

Arbeiten in einer ehemaligen Kirche – diese ungewöhnliche Option nutzen etwa 150 Digitalschaffende in Aachen im Coworking Space „digitalChurch“ unweit des Europaplatzes. Vor allem junge Startups kommen zum Arbeiten hier her. Kleine Firmen haben einzelne Räume fest gemietet. Hermann-Josef Toro de la Cruz arbeitet hier als Facility Manager, Patrick Quasten ist sein Assistent. Gemeinsam sorgen Sie dafür, dass die Infrastruktur im Haus rund um die Uhr funktioniert. Für Patrick Quasten ist diese Arbeit eine ganz besondere Chance, denn er wird von der Lebenshilfe betreut.

Der digitalHub Aachen ist eines von sechs vom Land geförderten Zentren für die digitale Wirtschaft in NRW. „Ich sitze mit Hermann am Empfang“, berichtet Patrick Quasten, „und dann bin ich noch für den Service in den Küchenbereichen zuständig und für den Konferenzraum, dass da alles in Ordnung ist.“ Der 22-Jährige stammt aus Aachen. Bevor er im vergangenen Jahr hier anfing, war er in Großküche der Arbeitsagentur: „Da hatte ich meinen eigenen Bereich und habe mich um die Salate gekümmert.“ Doch er wollte sich weiterentwickeln. Von seinem Betreuer Alp Kin wurde er dann an den digitalHUB Aachen e.V., der in der digitalCHURCH sein Digitalisierungszentrum betreibt, vermittelt. „Es ist ein Arbeitsplatz, bei dem man mit wenigen Tätigkeiten anfangen kann, aber nach und nach mehr Verantwortung übernehmen kann,“ erläutert sein Betreuer. Hermann Josef Toro de la Cruz kann gut mit Patrick Quasten umgehen, denn bevor er 2012 zum digitalHUB kam, arbeitete er 15 Jahre in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen in Mönchengladbach.

Verlust und Gewinn

In seinem Berufsleben hatte Hermann-Josef Toro de la Cruz den Braunkohleabbau immer vor der Haustür. Aus seiner Mönchengladbacher Zeit kennt er Menschen, die durch die Braunkohle ihre Heimat verloren, etwa in Otzenrath oder Immerath. „Da bin ich durch die leeren Dörfer gelaufen.“ Die Folgen des Braunkohleabbaus sah er damals vor allem als Verlust. Das absehbare Ende der Braunkohle im Rheinischen Revier führt jetzt in der ganzen Region zu einem kräftigen Schub Richtung Digitalisierung. Das spült ihm die Kunden ins Haus: Etwa 150 Zugangskarten verwaltet er derzeit. Damit können die Digitalschaffenden rund um die Uhr die Kirche betreten: „Manche werden ja erst abends kreativ“, ist seine Erfahrung. Die Corona bedingte ruhigere Zeit im Frühjahr 2020 haben sie für Renovierungen genutzt. Nun sieht alles wieder tipptopp aus: Der Teppichboden, die bunten Polstermöbel und die stylischen Hängelampen. Seit Mai 2020 steigt die Nutzerfrequenz auch wieder deutlich. „Normalerweise ist es hier proppevoll“, weiß Hermann Josef Toro. Dann hat er hat alle Hände voll zu tun, sieht nach dem Rechten, führt kleinere Reparaturen durch und steht bei Abendveranstaltungen am Mischpult der Soundanlage und pegelt die Lautstärke für die Redner aus.

Rundum-Service für die Digitalschaffenden

Die jungen Gründer sind ganz auf ihr Business konzentriert, berichtet er. Inhaltlich hat er großen Respekt und Interesse für die vielfältigen Themen. So gibt es etwa ein Projekt, das dabei helfen soll, Mikroplastik aus dem Meer zu fischen. Die Kehrseite: Nur wenige Digitalschaffende gehen wirklich pfleglich mit dem Mobiliar in der digitalChurch um oder räumen ihre Kaffeetassen selbst in die Spülmaschine. „Manche benehmen sich wie in einem zweiten »Hotel Mama«“, sagt Hermann Josef Toro und lacht. Er weiß, wie man mit ihnen umgehen muss, um sie freundlich, aber deutlich zu etwas mehr Mitarbeit zu motivieren. So schafft er es gemeinsam mit Patrick Quasten, dem Startup-Nachwuchs in Aachen täglich den Rücken freizuhalten und ihnen das Arbeiten in einer ganz besonderen Umgebung zu ermöglichen.