Dr. Mar­tina Erken arbeitet als Bio­login am Natur­park­zen­trum Gym­ni­cher Mühle.

Ein Arbeitsplatz im Grünen

Wenn Dr. Martina Erken morgens auf dem Weg ins Büro ist, hört sie die Vögel zwitschern und das sanfte Rauschen der Erft, die direkt an ihrem Arbeitsplatz vorbeifließt. Die Biologin arbeitet am Naturparkzentrum Gymnicher Mühle, ein beliebtes Ausflugsziel für viele Familien, Kindergärten und Schulklassen im Rhein-Erft-Kreis, das vom Naturpark Rheinland betrieben wird. „Die Erft wird im Zuge  der Wasserrahmenrichtlinie und des Strukturwandels renaturiert, um den ökologischen Zustand des Gewässers zu verbessern. Deshalb wollen wir jungen Menschen, aber auch Erwachsenen, die aus der Region kommen, das Ökosystem Fluss näherbringen und ihnen die positiven Veränderungen zeigen, die mit dem Wandel in der Region einhergehen“, berichtet Martina Erken.

Die Natur profitiert vom Strukturwandel

„Bei Bergheim wird Sümpfungswasser aus dem Braunkohletagebau in die Erft eingeleitet, was die Wassertemperatur in der Erft verändert und die Wassermenge erhöht“, erklärt Martina Erken. Das ist einer der Gründe, warum der Fluss an vielen Stellen ausgebaut werden musste, mit negativen Folgen für die Artenvielfalt. „Durch den Braunkohleausstieg haben wir die Chance, den ökologischen Zustand der Erft in Zukunft stark zu verbessern“, sagt die Forscherin. Voraussichtlich ab 2021 will der Erftverband das Gewässer bei Gymnich in ein neues Flussbett verlegen. Dadurch wird sich die Landschaft rund um das Naturparkzentrum Gymnicher Mühle stark verändern. „Wir hoffen, dass sich die ökologische Vielfalt im Erft-Einzugsgebiet in den kommenden Jahren positiv entwickelt und sich neue Tier- und Pflanzenarten hier ansiedeln“, sagt Erken. „Diesen Wandel zusammen mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern zu beobachten und zu dokumentieren, ist für mich als Biologin eine spannende Aufgabe.“

Forschen, tüfteln, experimentieren

Martina Erken kommt aus Pulheim im Rhein-Erft-Kreis. Vor fünf Jahren lernte sie den Naturpark Rheinland während eines Praktikums kennen und fasste den Entschluss, die Renaturierung der Erft aktiv zu begleiten. Das Projekt Lern- und Forschungslandschaft „Neue Erft“, welches die Biologin seit April 2019 leitet, wird im Rahmen des EFRE-Förderprogramms „Grüne Infrastruktur NRW“ durch die Europäische Union und die Landesregierung gefördert. Neben der Forschungsarbeit mit Partnern wie der TH Köln will Martina Erken das Projekt auch den Menschen, die aus der Region kommen, näherbringen.

Wenn junge Familien, Kindergärten und Schulklassen zur Gymnicher Mühle kommen, nutzt sie die Gelegenheit, ihre Faszination für die Natur an die jungen Menschen weiterzugeben: „Vor allem Kinder haben großen Spaß, die Erft und das Element Wasser hautnah zu erleben. Wir suchen im Flussbett nach kleineren Fischen, Wasserinsekten und beobachten Vögel, die im Ufergebiet der Erft leben.“ Nahe der alten Mühle gibt es einen großen Wassererlebnispark mit sechs Spielstationen, die zum Ausprobieren und Experimentieren einladen. Zum Beispiel ein Floß, mit dem man sich an einem Seil über das Wasser zieht und einen kleinen Stausee, der sich mit Wasser fluten lässt. Und im Erft-Museum, das sich direkt neben dem Wassererlebnispark befindet, lernen die Kinder noch mehr über die Geschichte der Erft, die Kultur in der Region und ihre Landschaft.

„Ich möchte die Menschen begeistern!“

Der Aspekt der Bürgerbeteiligung an der wissenschaftlichen Arbeit ist ein fester Bestandteil im EU-geförderten Projekt zur Renaturierung der Erft: „Wir wollen die Menschen am Wandel in der Region beteiligen. Sie können hier erleben, welche positiven Auswirkungen der Strukturwandel auf die Erft hat und was jeder Einzelne dazu beitragen kann, damit die Region auch in Zukunft attraktiv und lebenswert bleibt“, sagt Erken. „Ich möchte die Menschen mitnehmen und sie für das Projekt begeistern.“ Sie weiß, dass der Strukturwandel vielen Menschen auch Sorgen bereitet: „Die Braunkohle gab der Region über Jahrzehnte eine feste Identität. Aber ich bin fest überzeugt, dass wir mit dem Wandel viele positive Veränderungen erleben werden“, sagt Erken. „Wenn die Kinder hier forschen, tüfteln und experimentieren, lernen sie die Natur erst richtig schätzen. So wächst auch das Verständnis, warum es so wichtig ist, sich für Biodiversität, Umweltschutz und Nachhaltigkeit einzusetzen.“