Britta Preuße aus Gre­ven­broich enga­giert sich in der Spur­gruppe zur Bür­ger­be­tei­li­gung

Britta Preuße: „Hier kann man noch richtig etwas bewegen“

Britta Preuße ist überzeugt, dass der Strukturwandel letztlich bei jedem selbst anfängt. Sie war lange Zeit selbstständig als Designerin in Wuppertal tätig, hat sich viel mit den Themen New Work, Coworking Spaces und den Veränderungen in der Arbeitswelt beschäftigt. Ihre Familie lebt bis heute in Grevenbroich. Nach dem Tod ihres Mannes ist Britta Preuße jetzt wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt: „Der Strukturwandel hat die Lust darauf geweckt, dass ich hier etwas bewegen kann.“

Veränderung beginnt im Kopf
„Ich komme eigentlich aus Wuppertal, bin aber mit meiner Familie ins Rheinische Revier gezogen, als ich zwölf Jahre alt war“, erzählt Britta Preuße. Damals war sie von ihrer neuen Heimat alles andere als begeistert: „Die großen Kraftwerke am Horizont fand ich immer ziemlich hässlich. Aber die Perspektive hat sich mit den Jahren doch verändert. Heute sehe ich hier vor allem viel Raum für Gestaltung.“ Die 45-jährige Designerin hat sich in ihrem Umfeld umgehört: Was geht hier überhaupt? Was wird schon gemacht? Wer könnten die richtigen Ansprechpartner sein? Dabei stieß sie auch auf die Spurgruppe der Zukunftsagentur Rheinisches Revier. Die Spurgruppe ist als Beirat für den Beteiligungsprozess zu verstehen. Die Mitglieder der Spurgruppe sorgen dafür, dass die verschiedenen Perspektiven und Interessen der Bürgerschaft im Rheinischen Revier berücksichtigt werden, etwa bei der Planung von Dialogveranstaltungen: „Gute Ideen kann man nur gemeinsam auf den Weg bringen. Es geht für mich darum, mit Menschen zusammenzukommen, die auch Lust auf Veränderung haben und Visionen, wie man die Region gestalten könnte.“

Der Drang nach Veränderung hat Britta Preuße schon oft angetrieben. In Wuppertal hat sie einen Coworking Space gegründet, um Kreative, Start-ups und Firmen stärker zu vernetzen. „Das wurde ein großer Erfolg“, sagt Britta Preuße. Seit sie zurück in Grevenbroich ist, hat sie sich mit ihrem Weeethink-Projekt selbstständig gemacht. Als „Creative Thinker“ berät sie Unternehmen und Selbstständige, die etwas völlig Neues ausprobieren wollen. „Deshalb hat der Strukturwandel so sehr meine Neugier geweckt, weil er viele Chancen birgt, die im ersten Moment utopisch klingen. Aber je mehr Menschen sich mit ihren Ideen und Visionen darauf einlassen, desto größer ist die Chance, dass in Zukunft die ganze Region vom Wandel profitiert.“ Jetzt trägt sie ihren Drang zu Veränderung wieder weiter und kandidiert für den Stadtrat.

Die junge Generation mitnehmen
In ihrem Umfeld nimmt Britta Preuße aber auch viel Verunsicherung angesichts des Strukturwandels wahr: „Klar fragen sich viele, ob ihre Kinder hier in Zukunft noch Arbeit in der Region finden. Aber ich sehe auch viel Mut, etwas zu bewegen, vor allem bei den Jüngeren. Wir müssen deshalb vor allem beim Thema Beteiligung die junge Generation noch viel stärker mit ins Boot holen. Die jungen Menschen müssen beim Strukturwandel mitgenommen werden. Der Klimawandel hat ja auch die jungen Menschen wachgerüttelt. Jetzt müssen wir sie für die Gestaltung der Zukunft ihrer Region begeistern!“ Die Beteiligungsformate, die wegen der Corona-Pandemie häufiger im Netz stattfinden, sind für Britta Preuße ein Schritt in die richtige Richtung: „Warum nicht die Chance ergreifen, die Debatte in Online-Foren und soziale Netzwerke zu tragen, da wo viele junge Leute aktiv sind? Große Unternehmen gehen oftmals schon diesen Weg, um jüngere Menschen zu erreichen.“ Weil die Corona-Pandemie aktuell sowieso kaum Vor-Ort-Treffen zulässt, will sich Britta Preuße über einen Podcast mit den Menschen vor Ort über den Strukturwandel und die Zukunft der Region austauschen. „Ich lade alle, die über dieses Thema mit mir sprechen möchten, zum spontanen Dialog ein“, sagt sie.

Britta Preuße sieht viel Potenzial im Rheinischen Revier und hofft, dass die Bürger sich auf den Strukturwandel einlassen: „Ich wünsche mir, dass die Menschen hier offen und neugierig sind, über den Tellerrand zu blicken, andere Standpunkte zulassen und keine Angst vor dem Wandel haben.“ In der Corona-Pandemie hat sie erlebt, wie die Krise vor allem Selbstständige dazu gezwungen hat, neue Wege zu gehen, querzudenken. „Ich will die Leute aktivieren, sich auf Veränderungen einzulassen. Zwar scheint die Corona-Krise gerade viel näher und dringlicher zu sein als der Strukturwandel. Aber der Wandel hat bereits begonnen. Im stillgelegten Kraftwerk Frimmersdorf sehe ich zum Beispiel mehr als bloß ein Bauwerk mit Geschichte. Für mich steht da etwas, das mit Aufbruch und Veränderung zu tun hat. Da ist auch wieder viel Raum für Neues.“